Fünfzig Jahre lang hat der Schwabe Oskar Haaf seinen Zettelkasten mit „lauter Merkwürdigkeiten“ gefüllt, mit „lauter Sächle, die normalerweise in keinem Geschichtsbuch“ stehen. Als Steckenpferd ist das Häufen von Notizen, das Sammeln von Histörchen und Horten von Witzen auch eine schöne Sache. Nach seiner Pensionierung aber hatte der Rundfunkmann Haaf plötzlich Mut und Muße genug zur Auswertung der papierenen Flut.

Im Schwabenland.

Band 1: „Entdeckungsreisen zwischen Schwarzwald und Tauber“;

Band 2: „Entdeckungsreisen zwischen Bodensee und Ries“.

(In farbiger Kassette, zusammen 736 Seiten, 62 Farb-, 39 Schwarzweiß-Abbildungen, Econ Verlag, 88 Mark.)

Laut Verlagsmitteilung will das umfängliche Werk „aktueller Reisebegleiter“ wie „genußreiche Feierabendlektüre“ sein. Tatsächlich ist es, in dem Bemühen beides zu sein, so richtig weder das eine noch das andere geworden. An Kleinigkeiten wollen wir uns da gar nicht aufhalten. Wenn der Autor etwa Bad Liebenzell als Heilbad bezeichnet „mit Thermal-Mineralbädern und allem, was zu einem Kurort... gehört“ und das Paracelsusbad dortselbst beschreibt als ein Gebäude, „in dem alles vereinigt ist, was zu einem modernen Kurmittelhaus gehört“ – dann sollte man die Sehnsucht nach sprachlicher Süffigkeit ruhig unterdrücken. Man spürt doch, was gemeint ist.

Haaf hat sich schließlich auch schon im Vorwort an die Seite all jener Berufsschwaben gestellt, die NichtSchwaben weismachen wollen, schwäbische Lebensart erschöpfe sich im Leeren von „Vierteles“-Weingläsern und schwäbische Sprache in „Sodele-Jetzetle“-Gestammel.