Hans-Ulrich Klose, Hamburgs alter neuer Bürgermeister, war über das Ergebnis sichtlich zufrieden. 302 von 327 Delegierten Landesparteitages der SPD hievten den Sieger der Bürgerschaftswahl vom 4. Juni wieder auf den Stuhl des Ersten Bürgermeisters der Hansestadt. Und die Genossen, noch glücklich gezeigt zu haben, daß Sozialdemokraten auch wieder Wahlen gewinnen können, billigten ohne Widerworte Kloses Senatorenliste.

Diese war in der Tat ein gelungenes Kabinettstück. Klose, auf den Abbau der Rechts-links-Konfrontation in seiner Partei bedacht, nutzte die Chance zur Integration. Rechte wie Linke ziehen in den neuen Senat ein. Das Spektrum der Partei ist mit ihnen abgedeckt. Eines steht fest: Kein Biallas und kein Klug werden mehr die Senatorenriege durch liberale Aufmüpfigkeit stören, Kloses Mannen werden unauffälliger, vielleicht auch effektiver, den Stadtstaat verwalten, als die Koalitionsmannschaft der letzten vier Jahre.

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Bislang war Hamburg stolz auf seine Staatsräte: Erstklassige Juristen, nichtabsetzbar, die die Kontinuität der hamburgischen Verwaltung garantierten. Künftig sollen sie nur noch politische Beamte sein, jederzeit abberufbar. Was früher nicht denkbar war, daß sich Fehlfarben in das „Syndikat“ der Staatsräte mischten, wird nun erklärte Politik des Regierungschefs. Er will seinen persönlichen Referenten und Intimus, Werner Hackmann, 31 Jahre alt, zum Chef der Senatskanzlei machen, eine Berufung, die allenthalben mit verständnislosem Kopfschütteln bedacht wird und das Wort von der „Filzokratie“ wieder aufleben läßt, zumal auch andere Klose-Freunde in höhere staatliche Sphären aufrücken werden.

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Kopfschütteln auch über die Berufung von Manfred Bissinger zum neuen Pressesprecher des Senats. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur des stern, der als Journalist nur zu gern selbst Politik machte – und dabei schließlich gründlich scheiterte – soll künftig loyal Politik vermitteln?

Das Fragezeichen sei erlaubt. Sozialdemokraten haben im Umgang mit den Medien selten eine glückliche Hand. Warum sollte Genosse Klose bei der Berufung Bissingers eine Ausnahme machen? v. K.