Von Rudolf Herlt

Beauftragte aus sieben Industrieländern bereiten zur Zeit die Bonner Konferenz vor, auf der die Staats- und Regierungschefs aus den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und der Bundesrepublik am 16. und 17. Juli Wege aus der Rezession finden wollen.

Der Kuchen, den unsere Wirtschaft backt, wird nur noch ganz langsam größer. Die Arbeitslosigkeit ist unverändert hoch, wenn auch die Zahl der registrierten Arbeitslosen saisonbedingt unter die Millionengrenze gefallen ist. In einigen Ländern – wie in der Bundesrepublik – wachsen die Überschüsse aus dem Wirtschaftsverkehr mit dem Ausland; in anderen – wie in den Vereinigten Staaten – nehmen die Defizite zu. Überall in der Welt wächst daher die Neigung, durch einen Griff in die Mottenkiste bürokratischer Handelshemmnisse und Devisenkontrollen die eigenen Schwierigkeiten vor die Haustür des Nachbarn zu wälzen.

Das ist die Lage vor den beiden Gipfelkonferenzen im Juli. Am 6, und 7. Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs aus den Ländern der Europäischen Gemeinschaft in Bremen. Am 16. und 17. Juli kommen die Staats- und Regierungschefs aus den sieben wichtigsten Industrieländern in Bonn zusammen. Bremen ist das europäische Vorspiel zum Bonner Wirtschaftsgipfel.

Der Ausweg aus der Weltrezession, die schon seit 1974 dauert, kann nicht kurz sein. Ehe die wichtigsten Ziele jeder vernünftigen Wirtschaftspolitik – inflationsfreies Wachstum und hohe Beschäftigung – wieder erreicht sein werden, vergehen Jahre. Daß sich die Politiker bei ihren Lösungsversuchen unter den Termindruck von Gipfelkonferenzen begeben, ist eher zu bedauern. Sie können in den wenigen Wochen der Vorbereitung wirklich nicht mehr tun, als Formeln entwickeln, die einen reibungslosen Ablauf der Konferenz sicherstellen.

Niemand kann erzwingen, daß die Regierungen später auch nach diesen Formeln handeln. Das galt für die Weltwirtschaftsgipfel von Rambouillet 1975, von Puerto Rico 1976 und von London 1977. Diesmal, so sagte der britische Schatzkanzler Denis Healey – der sich zum Wortführer derer machte, die von Bonn eine Wachstumsspritze verlangen –, diesmal werde es anders sein. Nun, wir werden sehen.

Die Formel für den Weltwirtschaftsgipfel nimmt schon Gestalt an. Jeder Teilnehmer legt etwas auf den Gabentisch der Konferenz, freilich mit dem Vorbehalt, daß die anderen das hinlegen, Was er für wichtig hält.