Genscher hatte es diese Woche nicht leicht in Israel. Die Israelis waren empört über die jüngsten Äußerungen des Bundeskanzlers zum Nahostkonflikt und sorgten sich: Wie hält es Bonn mit seiner „besonderen Verpflichtung“ gegenüber dem Judenstaat, wo der Kanzler doch beim Besuch des saudischen Kronprinzen Fahd verklausuliert vom Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat gesprochen hatte – den nicht die Amerikaner, nicht einmal die Ägypter, Jordanier und Syrer wollen? Offen wurde in Jerusalem der böse Verdacht geäußert, der Kanzler habe dem Saudi die Zukunft Israels für ein paar Öl-Silberlinge verkauft.

Genscher mußte seinen Gesprächspartnern erklären, daß Helmut Schmidt nicht über das hinausgegangen ist, was die Vereinten Nationen und die Europäische Gemeinschaft verlangen. Und wie vor ihm Adenauer und Brandt, die in Jerusalem zu Kronzeugen einer pro-israelischen Politik aufgerufen werden, so steht auch für Schmidt die Existenz des Judenstaates nicht zur Diskussion. Was er wünscht, ist eine gerechte, dauerhafte und baldige Lösung des Konfliktes. Das aber heißt: Israel muß sich aus eroberten arabischen Gebieten zurückziehen. Für Judäa und Samaria jedenfalls wird der intransigente Menachem Begin in Bonn keinen Garanten finden. Die Nazi-Vergangenheit ist da ein untaugliches Mittel der Erpressung.

Die Bundesrepublik hat eigene Lebensinteressen, die sie nicht dem Starrsinn Begins unterordnen kann. Und bitte: Der freie Fluß des Erdöls, von dem unser Wohlstand abhängt und unsere Verteidigungsfähigkeit, gehört nun einmal zu diesen Interessen. Wir brauchen Frieden, keinen neuen Nahost-Krieg. Er käme nicht nur den Deutschen und den Israelis zu teuer zu stehen. D. St.