Von Michael Jungblut

ZEIT: Herr Generaldirektor, als Sie 1976 Ihr Amt übernahmen, haben Sie wichtige Reformen angekündigt. Sie versprachen, die weitere Aufblähung des bürokratischen Apparates der FAO in Rom zu stoppen. Sie wollten die nur noch nach Tonnen zu messende Papierproduktion einschränken und die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Konferenzen verringern.

Saouma: Der erste Schritt wurde bereits bei der Überprüfung des Budgets für das Doppeljahr 1976/77 getan, das ich sozusagen von meinem Amtsvorgänger geerbt habe. Ich habe damals eine große Zahl von Planstellen, Tagungen und Veröffentlichungen gestrichen, die mir überflüssig erschienen. Dieses Budget war zwar zuvor von den Mitgliedsländern der FAO gebilligt worden, doch sechs Monate danach stimmten die gleichen Delegierten den von mir vorgeschlagenen Einsparungen im Paket zu. Dies bewies meine Annahme, daß die meisten der gestrichenen Veröffentlichungen für die Regierungen nicht von großem Nutzen gewesen sind.

ZEIT: Wurde das so eingesparte Geld dann auch wirklich für sinnvollere Projekte verwendet?

Saouma: Gewiß. Diese Budgetrevision war jedenfalls ein erster Durchbruch. Er hat es mir möglich gemacht, den Mitgliedsländern die Schaffung des Programms für technische Zusammenarbeit aus den eingesparten Mitteln – 18,7 Millionen Dollar – vorzuschlagen, das uns jetzt erlaubt, in dringenden Situationen rasch und unbürokratisch zu helfen. Wir haben dadurch die Möglichkeit, auf die Bitte einer Regierung um schnelle Entsendung beispielsweise eines Fachmanns oder eines Ersatzteils sofort zu reagieren. Früher; mußte in solchen Fällen immer erst ein Geldgeber gesucht werden. Das konnte dazu führen, daß Investitionen im Werte von Millionen Dollar nicht genutzt werden konnten, weil beispielsweise ein Ersatzteil im Wert von 3000 Dollar fehlte.

ZEIT: War das ein einmaliger Kraftakt oder geht die Entbürokratisierung weiter? Der Wasserkopf Rom hat der FAO in den vergangenen Jahren immer viel Kritik eingetragen.

Saouma: Als wir das Programm und den Haushalt für die Zweijahresperiode 1978/79 vorbereiteten, habe ich erneut die gleichen Kriterien sowohl an die zusätzlichen Planstellen, als auch an alle Tagungen und Veröffentlichungen angelegt. Wieder habe ich sehr sorgfältig geprüft, ob sie wirklich notwendig waren. Die Arbeit zur Entbürokratisierung geht weiter. Aber das ist ein Prozeß, der nicht zu schnellen Erfolgen führen kann. Alle internationalen Organisationen haben mehr Aufgaben als verfügbare Geldmittel. Deshalb müssen unsere beschränkten Mittel, so wirkungsvoll wie irgend möglich eingesetzt werden.