Von Klaus-Peter Schmid

Raubüberfälle, Brandstiftungen, Bombenanschläge: Seit dem letzten Sommer scheint der Club Méditerranée das bevorzugte Opfer von Kriminellen aller Art zu sein. Auf Korsika gingen Autonomisten gegen Clubdörfer vor, in Sankt Moritz machten sich Einbrecher über den Hoteltresor her, in Korfu forderte ein Raubüberfall sogar ein Todesopfer. Schließlich ließ in der Nacht vom 10. auf 11. Juni eine antisemitische Organisation gleich drei Sprengsätze im Firmensitz gegenüber der Pariser Börse hochgehen.

Eine „Folge von Vorfällen und manchmal sogar Dramen“ nannte Club-Chef Gilbert Trigano beschwichtigend diese Unglückssträhne bei der Hauptversammlung seines Unternehmens. Doch als Trostpflaster konnte er seinen Aktionären auch einen stattlichen Gewinn von 61 Millionen Francs (bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Francs) präsentieren.

In der Tat ist der „Club Med“, wie ihn die Insider nennen, nicht nur eine vieldiskutierte Idee von Ferienglück und klassenlosem Urlaub, sondern auch eine äußerst erfolgreiche Unternehmensgruppe. Die Pariser Tageszeitung Le Figaro: „Ein einzigartiges Vorbild, das seit Jahren mit seinen neuen Ideen den Markt der Industrie der Emotionen’ durcheinanderbringt.“

Der Club, heute größter französischer Reiseveranstalter, ist im Grunde das Lebenswerk eines kleinen, unscheinbaren Mannes, dem man seine fast 58 Jahre auch nicht entfernt ansieht. Sein Vater nahm ihn wegen schlechter Zeugnisse mit 15 aus der Schule und steckte ihn in eines seiner drei Lebensmittelgeschäfte. Trigano über die väterliche Schocktherapie: „Er sagte: Das ist der Umsatz, das der Gewinn, ich möchte, daß du sechs Monate hier arbeitest. Und wenn du nach sechs Monaten Umsatz und Gewinn verbessert hast, mache ich dir keinerlei Vorschriften mehr, und du kannst tun und lassen, was du willst.“

Das ließ sich Trigano nicht zweimal sagen. Er arbeitete zur vollen Zufriedenheit seines Vaters und beschloß nach dem vereinbarten halben Jahr, Schauspieler zu werden. Doch über bescheidene Nebenrollen kam er nie hinaus. Das Magazin Vision: „Als Romeo hätte Trigano in der Tat eher wie Woody Allen gewirkt, dem die Strickleiter am Balkon und nicht die Liebe zu Julia zum Verhängnis würde.“

Dann kam der Krieg. Als Juden mußten die Triganos und ihre sechs Kinder untertauchen. Gilbert engagierte sich 1943 bei einer kommunistischen Jugendorganisation, ein Jahr später ging er als Journalist zum KP-Organ L’Humanité. Noch heute ist er stolz darauf, bei einem Jugendmeeting der Partei 33 000 junge Leute zusammengetrommelt zu haben: „Es war eine phantastische Nacht.“