Der Versuch des südjemenitischen Staatspräsidenten Salim Rubai Ali, sich durch einen Aufstand gegen die prosowjetische „Nationale Front-Partei“ im Amt zu behaupten, ist gescheitert. Nach Meldungen des staatlichen Rundfunks wurde er zum Tode verurteilt und ist bereits hingerichtet worden.

Nach den noch immer unvollständigen Berichten über die Ursache und den Verlauf des Aufstandes in der Volksrepublik Südjemen war Präsident Rubai Ali: am vergangenen Sonntag zu einer außerordentlichen Sitzung des Zentralkomitees der regierenden „Nationalen Front-Partei“ geladen worden. Zwei Punkte standen auf der Tagesordnung: seine Auflockerung des prosowjetischen Kurses der Einheitspartei durch eine Öffnung gegenüber Saudi-Arabien und die Erörterung der Folgen aus der Ermordung des nordjemenitischen Staatsoberhauptes Oberstleutnant Ahmed El-Gaschmi durch einen südjemenitischen Diplomaten am vergangenen Sonnabend.

Staatspräsident Rubai Ali entzog sich jedoch der Sitzung des Zentralkomitees und reichte statt dessen seinen Rücktritt ein. Dieser wurde vom ZK angenommen und Rubai Ali aller Posten enthoben,

Offenbar hat der Staatspräsident daraufhin versucht, sich mit Hilfe ihm ergebener Truppen und Luftwaffeneinheiten dennoch an der Macht zu halten. Es kam zu schweren Schießereien in der Hauptstadt Aden, an der Küste in der Nähe des sowjetischen Flottenstützpunktes beim Bab El-Mandeb sowie in verschiedenen Landesteilen.

Noch im Verlauf des Montags schlugen jedoch regierungstreue Truppen und die Volksmiliz der Regierungspartei den Aufstand nieder. Montagnachmittag ernannte das Zentralkomitee der „Nationalen Front“ den Ministerpräsidenten Ali Nassir Mohammed Hassani zum neuen Staatspräsidenten und Vorsitzenden des südjemenitischen Präsidentschaftsrates.

Die 1,25 Millionen Einwohner zählende Volksrepublik Südjemen im äußersten Südzipfel der arabischen Halbinsel hatte sich 1967 nach jahrelangem Kampf gegen die britischen Protektoratsherren auf einem Staatsgebiet von 160 000 qkm konstituiert. Die Führer des Landes, der Generalsekretär der „Nationalen Front“, Mohammed Abdul Fattah Ismail, und Ali Nassir Mohammed, der neue Minister- und Staatspräsident, hatten sich 1969/70 nach jahrelangen Richtungskämpfen in der ursprünglich gegen die Briten gegründeten Südarabischen Befreiungsfront (FLOSY) durchgesetzt. Seitdem verfolgen sie als politisches Hauptziel im Innern – mit Unterstützung der DDR, der UdSSR und der Volksrepublik China – den „Aufbau einer Gesellschaft nach dem wissenschaftlichen Sozialismus“ und nach außen die „Befreiung der arabischen Halbinsel vom Feudalismus“.

Durch diese Zielsetzung liegt der Südjemen seit Jahren im ständigen Kampf mit der im Nordwesten benachbarten „Arabischen Republik Jemen“, die vor allem von Saudi-Arabien und Libyen unterstützt wird und einen eher neutralistischen Kurs steuert. Von dort aus führt der frühere FLOSY-Chef Makkawi zusammen mit etwa 200 000 ebenfalls aus dem Südjemen geflüchteten Anhängern einen erbitterten Guerillakrieg.

Ulrich Völklein