Band drei der Reihe „Bürger-Service“ der Bundesregierung wünscht „Gute Fahrt mit dem Zoll“ und Verspricht in der Unterzeile „Informationen für deutsche Auslandsreisende“. Das herausgebende Finanzministerium übernimmt freilich für „die Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr“.

Wirklich: Der Leser wird sich auch nach der Lektüre des Bändchens häufig noch anderenorts erkundigen müssen. Über ein Drittel der 72 Seiten sind mit allgemeiner Zollkunde gefüllt. Dieses allgemeiner für Laien teilweise schwer verständliche, mit Bismarck-Zitat und ein bißchen „innerer Sicherheit“ garnierte Kapitel mag schulpflichtigen Kindern im Fach Gemeinschaftskunde nutzen, dem Urlauber bringt es wenig.

Ihm ist das 2. Kapitel, „Zolltips“, gewidmet. Es geht recht unpräzise los: In Dokumentenfragen wende man sich an die entsprechenden Konsulate, desgleichen wenn man wissen will, welche Waren in welcher Menge ins Urlaubsland mitgenommen werden dürfen. Auch DDR-Reisende sollen sich anderswo informieren. Auskunft über Waffen und Munition, lebende Pflanzen und Tiere sowie über Erzeugnisse von Pflanzen und Tieren, die von der Ausrottung bedroht sind (Leopardenfellmäntel!), soll die „nächstgelegene Zollstelle“ erteilen. Es folgen Hinweise über das richtige Verhalten bei der Grenzabfertigung („Reagieren Sie bitte nicht ungehalten, wenn Ihr Fahrzeug, Ihr Gepäck oder Sie selbst einmal eingehend untersucht werden“ – gemeint ist sicher: durchsucht), schließlich geht es um Umgehungswege für überlastete Grenzübergänge und um Unfall oder Diebstahl im Ausland.

Und dann kommen endlich die gängigen Angaben über Freimengen von Kaffee, Tabak, Alkohol, Tee, Parfüm und anderen Waren aus EG-Ländern, die den Wert von 460 Mark nicht übersteigen dürfen, sollen sie zollfrei bleiben. Daß eventuell noch in diesen Wochen die Freigrenze auf 520 Mark angehoben wird – darüber kein Wort. Einige Spezialbestimmungen (Jagd, Nahrungsmittel) sind zu finden, dafür fehlen die für Antiquitätenkäufer – auch im Chartergepäck lassen sich schließlich Silber, Schmuck oder Porzellan stauen.

Statt dieser beiden unergiebigen Kapitel hätte man das Zollthema bürgerbeziehungsweise reisenäher ausführen sollen. Beispiele: Was soll. man tun, nachdem man in einem Basar einen schönen Teppich/Ledermantel von einem Schreibunkundigen gekauft hat? Was braucht man präzise an Unterlagen, wenn man aus Frankreich fünfzig Flaschen Wein mitbringen will? Muß zollamtlich etwas geschehen, um den selbstgeangelten Lachs aus Norwegen mit nach Hause nehmen zu können? Was sagt der Zoll zu der Second-hand-Shop-Rechnung über ein neuartig wirkendes Couture-Kleid? Oder auch: Was hat es mit der Mehrwertsteuer-Erstattung auf sich?

Es gibt viele Fragen zum Thema Zoll – im „Bürger-Service“ werden sie überwiegend nicht beantwortet.

Ulrike Klugmann