Attraktive Aussichten – doch nur wenige Bewerber haben Glück

Von Hans-Hagen Bremer

Das Ansehen eines Beamten bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaft, beim EG-Ministerrat und den übrigen Europa-Institutionen in Brüssel und Luxemburg ist – zumal in der Bundesrepublik – nicht besonders groß. "Brüssel" und alles, was mit diesem Oberbegriff für die Europäische Gemeinschaft zusammenhängt, wird gern für alle möglichen politischen Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Fehlschläge verantwortlich gemacht. Eurokratenbeschimpfungen aus Kanzler Schmidts Mund haben ein übriges dazu beigetragen, daß die Euro-Bürokratie zum Buhmann wurde.

Trotz dieses schlechten Rufs in der Öffentlichkeit finden erstaunlicherweise Stellenausschreibungen der EG-Institutionen ein starkes Echo. Ein mit den Personalproblemen der EG-Kommission vertrauter Beamter hat dafür eine ebenso einfache wie wohl auch zutreffende Erklärung: "Von allen internationalen Behörden bietet die EG jungen Berufsanfängern die attraktivsten Aussichten."

Diese Feststellung bedarf allerdings einiger Einschränkungen. Nach den Aufbaujahren der Gemeinschaftsbehörden sowie nach dem Stellenschub, der nach der Aufnahme Großbritanniens,. Irlands und Dänemarks vor allem im Sprachendienst eintrat, hat der Ministerrat neue Planstellenanforderungen der EG-Kommission nur noch in geringem Umfang akzeptiert. Auch für Brüssel gilt somit, was von anderen internationalen Organisationen berichtet wird. Es gibt nur wenige Stellen für eine Vielzahl von Bewerbern.

Etwa zehntausend Beamte sitzen in der EG-Kommission. Nimmt man die 2000 in den gemeinsamen Forschungszentren arbeitenden Wissenschaftler und Techniker aus, so stehen bei der EG-Kommission in Brüssel und Luxemburg zur Zeit 7952 Beamte in den drei Laufbahngruppen A, B und C im Dienst. Beim Ministerrat sind 1250 Beamte beschäftigt. Das Europäische Parlament hat etwa 1500 Mitarbeiter in seinen drei Dienststellen Luxemburg, Straßburg und Brüssel.

Freie Stellen sind rar