Eine erfreuliche Entwicklung zeichnet sich an der Preisfront ab: Die Teuerungsrate in Nordrhein-Westfalen, die in der Regel der bundesdeutschen entspricht, ist im Juni auf einen Rekord-Tiefstand von 2,3 Prozent gesunken. Im Mai wurde aus diesem Bundesland noch eine Preissteigerung von 2,6 Prozent gemeldet, im April waren es drei Prozent.

Für das nächste Jahr prognostiziert das Kieler Weltwirtschaftsinstitut allerdings wieder eine beschleunigte Inflation. Die Preise werden 1979 aller Voraussicht nach um vier Prozent höher liegen als in diesem Jahr – eine Folge der Erholung der Wirtschaftslage. Nach Ansicht der Experten wird die positive konjunkturelle Entwicklung auch in den kommenden Monaten anhalten, wenn nicht steigende Steuerbelastung und ein restriktiverer Kurs in der Geldpolitik den Aufschwung dämpfen.

Aber auch unter den positivsten Vorzeichen dürfte der konjunkturelle Aufschwung in der Bundesrepublik nicht ausreichen, um Vollbeschäftigung zu garantieren. Zu dieser Auffassung kamen sowohl die Wirtschaftsforscher aus Kiel als auch ihre Kollegen vom Rheinisch-Westfälischen Institut und vom Ifo-Institut in München. In den kommenden Jahren wird sich nach Auffassung der Experten im Gegenteil das Arbeitslosenproblem verschärfen, da bis 1989 mit über einer Million zusätzlicher Erwerbspersonen gerechnet werden muß. Ohne Maßnahmen zur Verkürzung der Lebensarbeitszeit könnten diese neuen Arbeitskräfte nur beschäftigt werden, wenn die Wirtschaft Wachstumsraten von fünf Prozent erreicht. Diese Zahl aber erscheint utopisch.

Die Ausbildung der Arbeitskräfte für das kommende Jahrzehnt hat schon begonnen: Annähernd 1,4 Millionen Jugendliche standen Anfang dieses Jahres, in einer betrieblichen Berufsausbildung, sechs Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Knapp 37 Prozent der Auszubildenden waren Mädchen. Den größten Zuwachs an Lehrlingen von nahezu zehn Prozent verzeichneten Handwerk und Landwirtschaft. Aber auch Industrie und Handel, die beinahe die Hälfte der gesamten Auszubildenden beschäftigten, stellten im letzten Jahr fünf Prozent mehr Lehrstellen zur Verfügung.

Selbst die Eskimos kämpfen mit der Arbeitslosigkeit, mit dem Unterschied, daß sie ihre Beschäftigung – den Walfang – zum puren Überleben brauchen. Kein Wunder also, daß sie auf der Londoner Konferenz der internationalen Walfang-Kommission um eine höhere Fangquote für Grönlandwale kämpfen. Ihre erbittertsten Feinde sind dabei die englischen Tierschützer, deren Abordnung mit einem Plakat „Laßt die Wale leben“ vor dem Konferenzgebäude protestierte. Der; Londoner Observer kommentierte diese britische Alternative mit der zynischen Bemerkung: „Rettet die Wale – vernichtet die Eskimos.“ iml