Fast 14 Kilometer lang wird et sein, wenn im Dezember die ersten Autos durch ihn reifen. Dann ist der Arlberg-Tunnel Rekordhalter; Es gibt keinen längeren Straßentunnel in der Welt. Doch der Superlativ bleibt den Österreichern nur kurze Zeit, denn die Schweizer treiben ihre Röhren durch den St. Gotthard noch weiter vor, mit 164 Kilometer wird dann dort die neue Marke gesetzt sein.

Aber auch ohne den Welttitel kann die Innsbrucker Aktiengesellschaft, die den Arlberg-Tunnel betreibt, stolz sein auf das Werk im Berg. Allein die Lüftungsanlage verdient ein Staunen. Zwei Vertikalschächte führen frische Luft zu. Der auf der Tiroler Seite bei Maienwasen ist 218 Meter tief, die zweite Luftröhre, mit einem Durchmesser von 7,68 Meter schon fast ein eigener Tunnel, schneidet sich sogar 736 Meter durch das Gestein. Sie endet in der Zentrale Altona unten auf der Tunnelsohle in einer künstlichen Höhle von gut 100 Meter Länge, 15 Meter Breite und 13 Meter Höhe.

Um diesen Raum unter der enormen Belastung des Gebirges „aufzufahren“, bedurfte es einer technischen Meisterleistung. Über zweitausend stählerne Anker, jeweils sechs bis zwölf Meter groß, „verdübelten“ die Halle mit dem Massiv. Ein schnell laufender Bohrer (bis zu zwei Meter pro Minute) schuf die Löcher, in die ein Spezialmörtel, die Stahlanker und ein enorm fester Kleber eingeschoben wurden. Dieser Klebstoff ist so fest, daß nach Expertenansicht eher der Stahl als die Klebestellen auseinanderbrechen.

In dieser „Klebe-Höhle“ wurde ein dreistöckiger Betonbau errichtet, ein gleichartiger Bau steht unterirdisch in der Zentrale Maienwasen. Beide sind mit vier Ventilatoren von 3,16 Meter Durchmesser bestückt. Deren Drehzahl ist regelbar, bei maximaler Verkehrsstärke müssen pro Sekunde 2100 Kubikmeter Frischluft eingeblasen und 1720 Kubikmeter verbrauchte Luft abgesaugt werden.

Vom Arlberg-Tunnel versprechen sich die Österreicher eine spürbar verbesserte Verkehrsführung auf den wichtigsten West-Ost-Verbindungen des Landes.