Der pulsierende Kreislauf der Wirtschaft wird immer wieder als thematischer Aufhängen für Spiele herangezogen. Die Ergebnisse taugen fast alle nichts. Die wohl einzige rühmliche Ausnahme war bisher Playboss, das es auch in der abgemagerten Ausstattung als Bigboss gab. Die Idee wurde – teils sogar schamlos deutlich – mehrfach plagiiert. Ansonsten tat sich längere Zeit auf diesem Sektor des geschachtelten Spielgeschehens wenig.

So ging ich nur mit Vorbehalt an Automobile für die Welt heran. Geht es doch stets schon damit los, daß man sich durch ein mittleres Lehrbuch der Verwirrungen, anmaßend als „Spielregel“ deklariert, fressen muß.

Hier stieß ich bei dem Spiel auf die erste Überraschung. Knapp, klar und präzise präsentiert sich eine tadellose, didaktisch gute Anleitung. Was visualisiert werden konnte, wurde, statt in gespreizte Formulierungen gepreßt, bildlich dargestellt. Natürlich ist die Spielregel umfangreich. Es handelt sich ja schließlich auch um ein Thema, das verwickelte, kompliziert vernetzte Zusammenhänge verarbeitet. Doch wenigstens wird die notwendige Länge hier nicht zum Ärgernis.

Die zweite angenehme Überraschung ist das Spiel selbst. Das gedankliche Strickmuster ist kein verwaschenes Konglomerat aus Playboss und Monopoly, sondern bietet viele eigenständige spielerische Entscheidungen. Jeder Spieler ist mit etwas Kapital und außerdem mit Fertigungsstätten für Pkw und Lastwagen ausgestattet. Er kann selbst entscheiden, ob er diesen Bereich stärker ausbauen möchte oder ob er auch Omnibusse und Spezialfahrzeuge herstellen will. Auch der Standort ist wichtig. In der Dritten Welt läßt sich kostengünstiger, aber dafür nur mit höherem Risiko produzieren.

Das Stichwort „Kosten“ birgt den eigentlichen Schlüssel zu diesem Spiel. Feste Kosten fallen für jedes Werk an, unabhängig davon, ob produziert wird oder nicht. Um die Kosten zu verteilen, muß man also versuchen, möglichst viele Aufträge abzuwickeln. Das allerdings ist mit Fertigungskosten verbunden. Und da Kosten immer anfallen, bevor Erlöse erzielt werden, wird die Liquiditätsdecke – sprich Bargeld in der Kasse – oft recht dünn. Die Struktur des Spiels ist aber bei aller Kostenrechnerei so geschickt angelegt, daß man weitgehend ohne mühsames Addieren auskommt.

Berührungen mit den Aktionen der anderen Spieler gibt es vor allem dann, wenn man sich gegenseitig Aufträge abjagt. Sonst ist das Spiel zwar gesellig, die einzelnen Aktionen sind aber weitgehend selbstbezogen:

Tom Werneck

Automobile für die Welt, Otto Maier-Verlag, Marktstr. 22–26, 7980 Ravensburg; 3 bis 6 Spieler, unverb. Preisempfehlung 39,– DM.