Das fällt auf im Sommerprogramm der Toscana: Eine Fülle von musikalischen Veranstaltungen. Darüber wäre nicht weiter zu berichten, hätten nicht die Kulturmanager der Region versucht, die seit Jahren existierenden Einzelaktionen einer Handvoll tatkräftiger und auch vermögender Lokal-Gremien zusammenzufassen und daraus so etwas wie einen farbenfrohen musikalischen Flickenteppich zu machen. Auch qualitativ bietet die Toscana auf musikalischem Bereich mehr als alle anderen italienischen Regionen, mehr selbst als die Lombardei, wo sich im Grunde alles auf Mailand konzentriert und in der Provinz so gut wie nichts geschieht.

Zwei Veranstaltungen, die besonders herausragen, aus didaktischen wie musikalischen Gründen: die „Terza Rassegna Internazionale del Jazz“ in Florenz und Pisa und der dritte „Cantiere Internazionale d’Arte“ in Montepulciano. Die Jazztage suchen – wie schon in den letzten Jahren – nach Möglichkeiten, den schwer verständlichen zeitgenössischen Jazz auch einem breiteren Publikum näherzubringen, eben nicht, wie etwa beim „Umbria Jazz“, nur Spezialisten für Spezialisten etwas machen zu lassen. Diesmal gibt es mehrere Seminare, Treffen mit Künstlern, Workshops, Konferenzen, Diskussionen. Darüber hinaus hat man sich bemüht, vor allem die Musiker einzuladen, die sich tatsächlich gerade auf der Höhe ihrer musikalischen Karriere befinden, also nicht wieder jene spektakulären Zeugen einer so glorreichen Vergangenheit, die doch nichts als ihre durch Jahre erprobte eigene Routine vorführen. Daneben stellen die Jazztage ein paar hochqualifizierte Musiker vor, die für uns auf dieser Seite des Atlantiks ziemlich neu sein dürften: die Duos Lewis-Ewart, Smith-Lacy und Braxton-Mitchell. Weiter: die kreativsten Musiker der neuen Chicagoer Jazz-Szene und dazu Namen wie Steve Lacy, Jeanne Lee, Gunter Hempel, Karl und Ing Berger, weiter die Crime des europäischen Experimental-Jazz (Parker, Rutherford, Malfatti, Coxill) und last but not least die Italiener: Centazzo, Eugenio Colombo, Bellatalla. Die Jazztage gibt es in Florenz vom 6. bis 9. Juli (Teatro Tenda, Largo de Gasperi, Bellariva), in Pisa vom 10. bis 13. Juli (Piazza dei Cavalieri und Teatro Giardini Scotto).

Die großen Amerikaner hin, die Europäer her: wir sollten das Drumherum nicht vergessen. Gerade diese Serie von Seminaren, Teach-ins und Diskussionen (über Themen wie „zeitgenössische Improvisation zwischen Realität und Utopie“ oder „Technik der rhythmischen Körperschulung“) unterscheidet Florenz-Pisa von den kommerzialisierten Shows, die uns der sogenannte Kulturbetrieb bietet. Der normalerweise passive Zuhörer soll hier zu einem kritischen Teilnehmer werden, sein aktives Mittun ist gedacht als integraler Bestandteil des Ganzen (in Florenz finden diese Morgen- und späten Nachmittagsveranstaltungen im Musikzentrum Andrea del Sardo, in Pisa im Centro San Bernardo statt).

Auch der Cantiere d’Arte – wörtlich: Kunstbaustelle – in Montepulciano, der (vom 28. Juli bis 12. August) trotz Erkrankung des Gründers und Leiters Hans Werner Henze zum drittenmal stattfindet, ist in erster Linie auf das Publikum hin konzipiert. Dieses Jahr beschäftigt man sich vor allem mit spanischer Musik, spanischer Kultur. Catarina Singleton