Nur was im Bundestagsplenum gesagt wird, bleibt geheim – auf absurdere Weise als durch die Veröffentlichung des sogenannten Terror-Protokolls hätte das alte Aperçu Erhard Epplers nicht bestätigt werden können. Weil der Stempel „Verschlußsache – vertraulich“ auf der Niederschrift von Auskünften des Kriminalamtspräsidenten Herold und des damaligen Innenministers Maihofer vor dem Innenausschuß fehlte, hat vermutlich kaum jemand das brisante, in nicht weniger als 500 Exemplaren verteilte Papier aufmerksam gelesen – außer jenem, der es dann dem Links-Blatt konkret zuspielte.

Jetzt muß Bundestagsdirektor Helmut Schellknecht herausfinden, wer wohl das Karnickel war. Fürs erste sieht es so aus, als werde der Schwarze Peter beim stenographischen Dienst landen, der für den Geheimhinweis hätte sorgen müssen. Freilich soll im Ausschuß selbst jenes Leuchtbild an der Rückwand des Saales dunkel geblieben sein, mit dem, wenn nötig, der gebotene Grad der Diskretion angezeigt wird. Dieses Signal auszulösen, ist aber Sache des Ausschußvorsitzenden.

Daß die Opposition nun auf den Vorsitzenden, den Sozialdemokraten Axel Wernitz, mit Fingern weist, gehört indes mehr zum politischen Ritual. Schwerwiegender und allen Parlamentariern gemeinsam ist die Befürchtung, daß die ohnehin recht zugeknöpfte Exekutive die Panne benutzen könnte, um mit Informationen noch mehr zu geizen. Deshalb wird der Innenausschuß fortan gewiß eines der verschwiegensten Gremien sein. Und über den entstandenen Schaden sagt ohnehin schon keiner etwas. Den Terroristen noch bewertende Hinweise zu liefern, wenigstens das soll vermeiden werden.

Gerade vier Wochen ist es her, seit sich CDU und CSU in ihrer gemeinsamen Strategiekommission gelobt haben, nun wirklich an einem Strick zu ziehen. Aber solches Gelöbnis mindert die mißtrauische Aufmerksamkeit der bayerischen Schwester keineswegs. Wie eine strenge Tante war sie flugs zur Stelle, als sie Anzeichen wahrnahm, daß man, so der Bayernkurier, „in gewissen Bereichen der CDU, eher oben als unten, gegen bessere Einsicht und bittere Erfahrung immer noch Hoffnungen auf die FDP setzt...“.

Der Beweis, den das Blatt unter anderem heranzog, erlaubte zugleich einen tiefen Blick in das Seelenleben der Union, wo Franz Josef Strauß den Weltgeist verwaltet. Hinter der Häme nämlich hockte auch weiß-blauer Neid, als Helmut Kohl angekreidet wurde, daß er sich für seinen Amerikabesuch – was den Bayernkurier ganz besonders zu ärgern scheint – mit Hilfe des Außenministers Genscher „ein optimales Programm, einschließlich eines Händedrucks mit Präsident Carter“, verschafft habe.

Indes, die CDU brauchte nur ein paar Tage zu warten, bis sie sich revanchieren konnte. Als Straußens Bonner Statthalter Friedrich Zimmermann öffentlich über Bundestagsneuwahlen nach einem Unions-Triumph in Hessen philosophierte, hieß es prompt aus der CDU, darüber sei überhaupt noch nicht gesprochen worden;

Bei solchen spitzen Korrekturen erinnert man sich in Bonn, daß es der Opposition bisher noch immer geglückt ist, durch eigene Schlagzeilen vom Zwist im Regierungslager abzulenken. Vielleicht gelingt ihr das jetzt mit ihren Sommermanövern wieder und um so besser, je mehr sich die Koalition im Steuerstreit verzehrt.