Was haben die unbedachten österreichischen Fußballprofis ihren österreichischen Kollegen aus der Touristik-Branche bloß angetan?! Sie haben vor allem nicht auf die Kurverwaltung Velden am Wörthersee gehört, die den österreichischen Kickern vor ihrem WM-Spiel gegen Deutschland doch empfohlen hatte, "fremden verkehrsfreundlich" zu spielen. Was natürlich nur heißen konnte, die Deutschen im Fußball gewinnen zu lassen, um die Deutschen im Urlaub nicht zu verschrecken. Denn Österreich ist, das weiß man am Wörthersee aus erster Hand, immer noch der Deutschen liebstes Auslandsziel.

Und dann dies: die österreichischen Fußballer kamen in Argentinien wie weiland Andreas Hofer gleichsam aus dem Tiroler Busch und überraschten die braven deutschen Profis mit einer unglaublichen Cleverneß. Sie gewannen 3:2 – und nun muß man am Wörthersee und Umgebung befürchten, die so gedemütigten Deutschen könnten wegbleiben im Urlaub.

Ob die Empfehlung, "fremdenverkehrsfreundlich" zu spielen, denn wirklich ernst gemeint sei, wollte der Wiener Kurier nachher wissen. Die Antwort aus Velden lautete unmißverständlich: "Ja natürlich, warum nicht?"

Worauf der Wiener Kurier das "Warum-nicht?" der Veldener zur charmanten Gegenfrage erhob: "Ja – warum nicht? Warum sollen wir unseren Ruf als Kuriositätenkabinett Europas, als einer Nation von gschamsterdienerhabedieehreküßdiehand-nuscheln- den Türlschnappern nicht gerecht werden?"

Was beweist, daß in Österreich, trotz der gleichen Sprache, nicht wie bei uns gesprochen wird. Denn selbst das, was ernst gemeint ist, hat bei ihnen den Charme des Unernsten. Wie sonst wäre es hierzulande, in Deutschland, zu verstehen, daß der Wiener Max Merkel, bis dato Direktor des österreichischen Fußballverbandes, vor dem Spiel seiner Landsleute gegen die Deutschen sagen durfte: "Österreich hat nur die besseren Skiläufer", ohne nachher ausgewiesen zu werden. – Wie sonst wäre es zu verstehen, daß der holländische Trainer Ernst Happel, der ein Österreicher ist, nach dem Sieg der Österreicher gegen Deutschland, der den Italienern den Weg ins "kleine Finale" freimachte, sagen konnte: "Jetzt muß Italien den Österreichern zum Dank Südtirol freiwillig zurückgeben" – ohne daß diese Aussage in der österreichischen Presse zu politischen Kommentaren geführt hätte.

"Mit diesem Sieg hat die Mannschaft gezeigt, daß sie zu den besten der Welt zählt", telegrafierte der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky nach dem Sieg seiner Landsleute gegen die Nachbarn aus Deutschland nach Argentinien. – Womit andererseits gesagt wird, wie eng die Österreicher und die Deutschen miteinander verbunden sind. Denn natürlich hätte der österreichische Bundeskanzler nie und nimmer ein ähnliches Telegramm schicken können, wären es nicht ausgerechnet die Deutschen gewesen, denen man im letzten Spiel am Zeuge flicken konnte.

Die Freude der Österreicher über den Sieg gegen die Deutschen – 47 Jahre lang mußte man darauf warten – ist die Freude des Nachbarn, im Garten des Betuchteren wildern zu können. Jeder, der nicht mit Scheuklappen durch die Weltgeschichte läuft, wird das verstehen. Und es ist natürlich wieder nur eine charmante Übertreibung, wenn der Wiener Kurier die Forderung der Veldener Kurverwaltung mit den Worten konterte: "Es wird wirklich an der Zeit, daß man dieses Land einzäunt und an den Grenzen Eintritt verlangt."