Ein fairer Literaturwettbewerb

Von Rudolf Walter Leonhardt

Seit den Tagen der Gruppe 47 seligen Angedenkens gibt es, meines Wissens, keinen literarischen Preis, bei dem es fairer und kontrollierbarer, „transparenter“ also zuginge als bei der Auswahl der Autoren für die drei österreichischen Wettbewerbe: den Ingeborg-Bachmann-Preis der Kärntener Landeshauptstadt Klagenfurt (100 000 Schilling) sowie den Preis der Klagenfurter Jury (50 000) und ein Stipendium (25 300), beide gestiftet von neun westdeutschen, drei österreichischen und zwei Schweizer Verlagen.

Dreizehn Literaturkenner aus Österreich (6), der Bundesrepublik (6) und der Schweiz (1) verliehen letzte Woche die Preise an einen Bürger der DDR, eine Schweizerin und eine Westdeutsche – 2:1 für die Frauen, auch so kann man es sehen.

Beworben hatten sich 25 Autoren – aus der Bundesrepublik (10), Österreich (8), der Schweiz (5) und der DDR (2). Aufgenommen in die Bewerberliste wurden sie, nachdem sich einer der dreizehn Juroren für ihre Teilnahme ausgesprochen hatte. Für das Stipendium kamen nur die zehn von ihnen in Frage, die bisher noch wenig oder gar nichts veröffentlicht hatten.

Anders als im vergangenen Jahr gab es diesmal keine Beschwerden, es seien Autoren, deren Teilnahme auch nur einem Mitglied der Jury als durchaus vertretbar erschienen wäre, ausgeschlossen worden. Auch voriges Jahr hielten solche Beschwerden einer Nachprüfung nicht stand. Freilich ist es in Österreich noch ein bißchen schwieriger als in den anderen deutschsprachigen Ländern, „Schmäh“ und Gerüchten auf den Wahrheitsgrund zu kommen.

Bleibt als letztes unistreitbares und durchaus auch umstrittenes Problem: Wer wählt die Jury? Und warum gerade diese? Die Frage wäre zu beantworten – in einer Dokumentation von etwa 400 Seiten. Daß dabei Freundschaften mitspielen können und Feindschaften, Zufälle ebenso wie rationale Überlegungen – wer wollte es leugnen? Die Verantwortung dafür liegt letztlich beim österreichischen Rundfunk als der Organisation, die den Wettbewerb ausrichtet, vertreten durch den Kärntener Intendanten Ernst Willner und durch Humbert Fink, Mitarbeiter des österreichischen Rundfunks, früher anwesend auch bei den Autorentreffen der Gruppe 47, spiauch rector gewissermaßen des ganzen Unternehmens.