Von Jaroslav Krejci

Auch in diesem Jahr sind mehrere Unterzeichner der tschechischen Bürgerrechtserklärung „Charta 77“ verhaftet oder verurteilt worden. Die Abgeurteilten werden, wie andere politische Häftlinge vor ihnen, in eine Sonderabteilung des Gefängnisses Pilsen-Bory eingeliefert; dort sind sie zusammen mit Schwerverbrechern, Asozialen und psychisch Kranken eingesperrt. Über die unmenschlichen, demütigenden Haftbedingungen in der Abteilung I/1 hat jetzt ein nach Österreich emigrierter ehemaliger politischer Gefangener berichtet. Seine Angaben beziehen sich auf das Jahr 1977, doch haben sich nach seinen Informationen die Verhältnisse seither nicht gebessert.

Wir wollen die öffentliche Meinung der westlichen Welt über das Leben der in dieser Sonderabteilung inhaftierten Häftlinge informieren, denn dort werden die Forderungen nach einer humanen Gefängnisordnung für politische Gefangene mißachtet.

In der Abteilung I/1 hatte die Zelle für vier Häftlinge eine Fläche von 7,30 bis 7,90 Quadratmetern. Darin waren untergebracht vier Betten, ein Tisch, vier Höcker, ein eisernes Nachttischchen. In diesem engen Raum war es beim allmorgendlichen Bettenmachen den Häftlingen kaum möglich, sich zu bewegen, ohne einander anzustoßen und ständige Konflikte auszulösen. Da es nicht erlaubt war, während des Tages auf den Betten zu sitzen oder zu liegen (die Übertretung dieses Verbots wurde durch Einzelhaft oder Karzer bestraft), blieb in der Zelle für die vier Häftlinge ein Raum von ungefähr 1,5 bis zwei Quadratmetern übrig.

Je drei Zellen waren durch einen Mauerdurchgang miteinander verbunden, denn in einer von ihnen befanden sich die WC-Schüssel und der Waschtisch für alle Insassen. Die Häftlinge dieser Zelle hatten noch weniger Wohnraum als die anderen und zusätzlich die schlechteste Luft.

In den Kellerzellen, in denen gearbeitet wurde, waren auf gleicher Zehenfläche zum Beispiel zwei Fräsmaschinen und eine oder drei Wickelmaschinen untergebracht. Der Lärmpegel dieser Maschinen überstieg das der Gesundheit zuträgliche Maß, Die Kellerzellen waren voll mit Trichlor-, Salzsäure- und Bleidämpfen. Da die Lüftung nicht funktionierte, führte der Mangel an Sauerstoff zu Atembeschwerden. Auf 70 bis 100 Häftlinge kam ein türkisches Klosett, da das zweite immer verstopft war.

Die Arbeitsnormen waren besonders an den Wickelmaschinen außerordentlich hoch und für manche Häftlinge unerreichbar. Ein Häftling konnte mit Erlaubnis zwölf Stunden am Tag, ebenso samstags und.sonntags arbeiten, um die Norm zu erfüllen. Die Nichterfüllung bedeutete nach zehn Tagen den Entzug der Jause und eine Strafe und nach weiteren zehn Tagen Karzer oder für die Häftlinge der Abteilung I/1 Einzelhaft.