Hervorragend

Les Dudek: „Ghost Town Parade“. Wenn er will, kann Les Deduk so „flashy“ spielen wie die schnellsten und technisch virtuosesten Rock-Gitarristen, aber auch „funky“ und blues-selig wie ein Jimi Hendrix („Central Park“, das erste Stück dieser dritten LP von Les Dudek, ist ein Hommage an Hendrix). Mit seinem typischen Vibrato, den Glissandi und Slide-Läufen swingt er an der Gitarre wie eine hochdotierte Show-Tänzerin, der man nicht beibringen muß, wie sie sich am aufreizendsten in den Hüften bewegt, Diese quasi visuelle Qualität seines Spiels und der Spaß an hochkarätigem Show-Glamour zeichnet ihn vor Dutzenden anderer – speziell britischer – Rock-Gitarristen aus, die in erster Linie nach technischer Perfektion schielen. (CSB 82 562) Franz Schöler

Hochinteressant

„Strawinsky auf der Orgel“. Als Oskar Gottlieb Blarr im März 1971 ein Notenpaket mit seinen Transkriptionen an den Komponisten nach New York schickte, kam es einen guten Monat später wieder zurück mit dem Vermerk: Empfänger verzogen (Strawinsky starb am 6. April). So hat der Komponist diese Fassung seiner Werke nicht begutachten (oder verbieten) können. Blarr hat vor drei Jahren Bartók-Stücke für die Orgel umgearbeitet hier, bei Strawinsky zeigt sich, wie gut gerade die Vorliebe des Komponisten für Blechbläser wie für akkordischen Satz der Orgel entgegenkommt, wie die Stücke auf eher farbig disponierten Orgel, einiges Raffiment vorausgesetzt, hinreißend zu realisieren sind. Blarr riskiert eine Menge an nicht originalen Farben, macht auch neue Tempi auf, schockt damit gewiß gleichsam die Strawinsky-Fans wie die Orgel-Gemeinde. Aber der Schock kann nur heilsam sein. Das längst nicht mehr so weltfremde Instrument bekommt hier einen beachtlichen Zuwachs an ebenso heiter stimmendem wie virtuosem Repertoire, und Blarr zeigt erneut, ein wie klangsensibler und phantasievoller Organist er ist. (Schwann VMS 2047). Heinz Josef Herbort