„Pinocchio“ von Carlo Collodi, III. von Carlo Chiostri; detebe 17, Diogenes Verlag, Zürich; 260 S., 6,80 DM

Während eine einzige Comic-Heft-Folge des „Pinocchio“ in Häppchen-Taktik und willkürlicher Zurichtung beim Bastei-Verlag bereits 1,50 DM kostet (Heft für Heft mit Figuren und Episoden bestückt, die es bei Collodi nie gegeben hat), sind nun Pinocchios gesamte Abenteuer in einer vollständigen Original-Ausgabe auf noblem Papier und mit Nachwort versehen für ganze 6,80 DM zu haben. Die Illustrationen des Carlo Chiostri, zunächst feinste Aquarelle, wurden Anfang dieses Jahrhunderts für die, Florentiner Ausgabe bei Bemporad & Figlio in Stahl gestochen. In dieser Fassung bietet Diogenes die längst fällige Alternative zur grobschlächtig veralberten und verkitschten Fernseh-Version, die nach demselben Primitivmuster funktioniert wie „Maja“ und „Heidi“: Mondgesicht, Glotzaugen, Sprechöffnung. Carlo Chiostris Illustrationen sind himmelweit entfernt von der platten, schalen Witzfigur, zu der die ZDF-Serie diesen Kinderbuch-Klassiker hat verkommen lassen. Dieser Pinocchio ist eine empfindsam gezeichnete, skurrile kleine Puppe, ausgestattet mit allen erdenklichen mimischen Verwandlungsmöglichkeiten. Sie kann traurig, verzweifelt, töricht und heiter aussehen. Die winzigen, in den Text eingestreuten Bilder haben Stimmung und Kraft. Statt jener läppischen, faden, aufgesetzt verkrampften TV-Komik, die sich immer wieder lärmend mit Effekten behilft, sind in den Schwarzweiß-Zeichnungen des Italieners die märchenhaften Elemente zart und unaufdringlich zu knapper Form verschmolzen. Ute Blaich