• Die Parteien entdecken mit einem Male ihr Herz für den Steuerzahler. Halten Sie beispielsweise die steuerpolitischen Vorschläge der FDP für geeignet, den Unmut der Steuerzahler, von dem Sie ja profitieren wollen, abzubauen?

Fredersdorf: Zunächst einmal können mich rein programmatische Forderungen nicht mehr befriedigen. Es muß schon ganz konkret festgeschrieben werden, wann was geschehen soll. Zur FDP: Wenn nicht unwichtige Teile ihres Papiers in den nächsten Monaten realisiert werden, dann könnte damit Steuer-Unmut abgebaut werden.

  • Welche „nicht unwichtigen Teile“? Fredersdorf: Wenn zum Beispiel die FDP ihren Vorschlag, den Sonderausgaben-Vorwegabzug zu verdoppeln, in die Richtung des Vorschlags der Steuerreformkommission einer allgemeinen Pauschalierung ausbauen würde, weil dann keiner mehr beim Finanzamt den Nachweis zu führen und das Finanzamt nicht mehr jedes Jahr nachzuprüfen braucht, dann könnte ich das akzeptieren. Das gilt auch schon für Kraftfahrzeugsteuer-Vereinfachung.
  • Könnten Sie sich vorstellen, daß Sie, anstatt eine eigene Partei zu gründen, eine Art. Wahlhilfe zugunsten etablierter Parteien wie der Freien Demokraten leisten, wenn sie Ihnen entgegenzukommen scheint.

Fredersdorf: Eine Wahlhilfe für die etablierten Parteien zu leisten, wenn es selber nicht zu einer Parteigründung kommt, schließt sich wohl aus. Wenn ich mich schon zu Absichts- oder Zustimmungserklärungen entschließe, dann gehen sie anderswohin; das wird sich sicher im Laufe der Sommerpause entscheiden.

  • Erklärungen zu den „Grünen“? Fredersdorf: Ja.
  • Weil Sie glauben, daß der Steuerprotest allein eine Partei nicht tragen kann?

Fredersdorf: Der Steuerprotest könnte eine Partei, die ja nur auf Zeit angelegt ist, durchaus tragen. Aber Steuerprotest und Umweltschutz haben gleiche Wurzeln. Beim Umweltschutz geht es um das materielle Überleben, bei der Eindämmung der Gesetzesflut gewissermaßen um die ideellen Überlebenschancen. Gleiches gilt für die Sicherheit der Renten, die ich mit angesprochen habe, weil sich hier für mich eine zwingende Kombination zwischen Besteuerung, staatlichen Transferleistungen und Renten ergibt.

  • Was den Umweltschutz betrifft, so sind wohl nicht alle führenden Umweltschützer gleicher Meinung wie Sie. Herbert Gruhl, derzeit noch CDU-Bundestagsabgeordneter, hat zwar eine gewisse Neigung erkennen lassen, mit Ihnen zusammenzugehen. Andere Sprecher des Umweltschutzes etwa in Hessen aber äußern große Bedenken eine Zusammenarbeit mit Ihnen.