Aber der ägyptische Staatschef Sadat stimmt einer Außenministerkonferenz zu

Von Dietrich Strothmann

Nun packen die Außenminister abermals ihre Koffer – der Amerikaner Vance, der Israeli Dayan und der Ägypter Kaamel. Ziel ihrer Reise ist diesmal London, wo sie von Mitte Juli an gemeinsam die vor sechs Monaten abgebrochenen Nahost-Gespräche wieder in Gang bringen wollen. Was sie an Vorschlägen in ihrem Gepäck haben, läßt sich nur ahnen; daß es ausreiche, den toten Punkt zu überwinden, bleibt lediglich eine vage Hoffnung. Nach dem kühnen Durchbruch des ägyptischen Präsidenten Sadat vom vergangenen November in Jerusalem und der kümmerlichen Reaktion des israelischen Ministerpräsidenten Begin ist Skepsis eher angebracht als Optimismus. Auch in London werden die Friedenspalmen nicht gleich in den Himmel wachsen. Dafür ist der Boden zu trocken, die Luft zu rauh.

Immerhin geht die Fährtensuche weiter, die im Januar gestoppt worden war, als Sadat wegen der fortgesetzten Siedlungspolitik der Israelis die Verhandlungen der politischen und militärischen Kommission unterbrach. Gleichwohl bleibt vorerst unerfindlich, aus welchen Gründen Ägypter und Israelis nun noch einmal einen Anlauf wagen – es sei denn, Sadat wolle sich gegenüber dem amerikanischen Präsidenten für die angekündigten Flugzeuglieferungen erkenntlich zeigen und Begin bliebe keine andere Wahl, um das arg demolierte Ansehen Israels in den Vereinigten Staaten aufzupolieren.

Auf der Stelle

Dagegen dürfte Carters jüngste Drohung mit der Wiederaufnahme der Genfer Nahost-Konferenz – und das hieße, unter Einschaltung der ungeliebten Sowjets – kaum zur Annahme des amerikanischen Gesprächsvorschlages geführt haben. Eher läßt sich vermuten, daß die aktuellen Vorgänge im Südjemen und im Libanon, hinter denen Moskaus Unruhestrategie erkannt wird, auf arabischer Seite zum Einlenken beigetragen haben.

Sonst fehlt jeder sachliche Anlaß, sich wieder an einen Tisch zu setzen: Weder hat Menachem Begin Kompromißbereitschaft signalisiert, noch Anwar el-Sadat Nachgiebigkeit erkennen lassen. Der eine beharrt unbeirrt darauf, daß Westjordanien und Gaza nicht mehr den alten Eigentümern zurückgegeben werden, der andere macht eine Friedensvereinbarung gerade davon abhängig. Der amerikanische Vizepräsident Walter Mondale konnte Jimmy Carter kein anderes Ergebnis seiner Erkundungsreise nach Israel und Ägypten melden. Die Kontrahenten treten auf der Stelle.