Von Gerd Bucerius

Über die Algarve weht der Wind das ganze Jahr, meist von Westen, also vom Atlantik her. So ist diese südliche Landschaft herbe, kräftig, männlich. Weil es aber warm ist und (wenn auch selten, dann aber) kräftig regnet, wachsen auf den Golfplätzen Aprikosen und Feigen und blühen die Orangen. Einige der vielen Golfplätze sind in die schönsten Pinienwälder hineingeschnitten, die es in Europa noch gibt. Und wie es duftet, wenn die Sonne auf die Eukalyptusbäume brennt!

Natürlich haben die Engländer die Algarve entdeckt. Manches vom vergangenen, diskreten englischen Reichtum gibt es da noch, wie die schönen Villen, oft zugewachsen unter Bougainvillea, und ganze Mauern aus sanftrosa Geranien. Auch das Golf haben die Engländer dorthin gebracht. So sind die Plätze grandios angelegt, gut gepflegt und herrlich zu spielen. Das Land ist arm, für Fremde aber elegant und sehr billig.

Der Flughafen der Algarve ist Faro. Von Deutschland fliegen – noch ist die Algarve hier nicht recht entdeckt – einige Charterlinien und sonntags von Frankfurt eine Lufthansa-Maschine direkt nach Faro. Über Lissabon gibt es aber viele Verbindungen. Von Faro erreicht man in höchstens 70 Minuten mit dem billigen Taxi alle Golfplätze und deren Hotels.

Faro am nächsten liegt Vale do Lobo. Es hat die ältesten Golfplätze der Algarve, mit 18 und Löchern; sie sind nicht leicht zu spielen. Von vielen, Bahnen hat man den weiten Blick über den Atlantik. Das exzellente Fünf-Sterne-Hotel Dona Filipa liegt gleich neben dem Golfplatz, mit Blick über die See: kilometerlanger heller Sandstrand, fast leer. An heißen Tagen hat das Wasser bis zu 22 Grad. Nach atlantischen Stürmen kann es aber auch im Sommer nur 18 Grad sein. So baden vor Mitte Juni nur Helden; schon im Oktober wird das Wasser kälter; alles in allem: wie auf Sylt. – Wer von Dona Filipa aus baden, am Meer wandern und Golf spielen will, braucht kein Auto (Automietpreise wie bei uns). Die schönen Punkte der Umgebung, auch die anderen Golfplätze, werden regelmäßig in Bus-Expeditionen vom Hotel aus bedient. Ich war dort drei Wochen und sehr zufrieden,

Als sie das Land von den Arabern zurückeroberten („Reconquista“), haben die christlichen Portugiesen (wie früher die Spanier) leider fast alle Spuren der maurischen Vergangenheit zerstört. Doch sollte man Silves besuchen, von Vale do Lobo 50 Autominuten. Es war die Hauptstadt der arabischen Algarve. Dort gibt es noch die maurische Burg; die Portugiesen haben sie 1248 erstürmt. Der Autobus fährt weiter nach Monchique, 1200 Meter hoch, mit Blick über die Algarve und den Ozean. Abends besucht man vielleicht Faro, den schönen kleinen Hafen und – nicht ganz leicht zu finden – den herrlichen Marktplatz (keine Linden: Apfelsinen!) mit der romanischen Kirche. Man schaue schräg gegenüber der Kirche auch bei dem Antiquar herein: Der kauft von den in der Revolution 1974 verarmten Adeligen und verkauft meist an Antiquitätenhändler in München, Düsseldorf und Hamburg; da ist dann alles doppelt so teuer. Sein Laden sieht nach Ramsch aus, er hat aber Schätze (Galeria da Se, Rua da Porta Nova 6). In Faro kauft man gut, was man von zu Hause mitzunehmen vergaß; teuer ist nur Importiertes.

Andere Golfplätze: Vilamoura; den 18-Löcherpar-73-Platz entwarf Frank Pennink; die Bahnen so breit, wie sie bei uns lang sind. Dazu Reiten, Tennisspielen, Schwimmbad und sogar ein Spielkasino (na, ja). In der Nähe liegt ein neuer Yachthafen, noch nicht so recht fertig; man sollte ihn beobachten. Wohnen kann man im Vilamoura-Golfhotel; Golfer fühlen sich ja auch im einfachen Hotel gut aufgehoben. Das benachbarte Hotel Dom Pedro hat vier Sterne; drei wären vielleicht genug – aber einen neuen 18-Löcher-Golfplatz und ein freundliches Klubhaus.