Von Fritz J. Raddatz

F. J. R.: Ich hätte gern, daß Sie als erstes Ihre Erfahrungen aus der Haft in Jugoslawien beschreiben: In Westeuropa gilt Jugoslawien ja generell als ein milderes, demokratischeres kommunistisches Land unter den Ostblockstaaten.

Mihajlo Mihajlov: Im gewissen Sinne unterscheidet sich Jugoslawien vom Ostblock. Aber nicht was Gefängnisse anbelangt: Es erkennt zum Beispiel den Status eines politischen Gefangenen nicht an. Es behandelt alle wie Kriminelle.

F. J. R.: Wieviele politische Gefangene gibt es?

Mihajlov: Das weiß keiner. Zwischen sechshundert und tausend. Genau weiß das keiner.

F. J. R.: Wie sind die Haftbedingungen? In Ihrem Fall doch offenbar besonders schwer?

Mihajlov: Was mich persönlich anlangt, war das Verhalten im allgemeinen korrekt, mich hat keiner geschlagen. Aber furchtbar ist das Gefängnis von Stara Gradiska in Kroatien. Das ist ein Konzentrationslager, wie es im Buche steht. Die politischen Gefangenen müssen schwerste körperliche Arbeit machen, es ist furchtbar.