Bei ihrer turnusmäßigen Konferenz wollen sich die Verkehrsminister aus Bonn und den Landeshauptstädten am 5. und 6. Juli in Bremen auch mit der „Abwehr äußerer Gefahren auf Verkehrsflughäfen“ befassen. Neuerliche Anschläge auf die Luftfahrt sind nicht auszuschließen. Zugleich mehren sich Beobachtungen über wieder lässiger werdende Sicherheitskontrollen auf den Flughäfen.

Das Thema „Sicherheit“ ist für die internationalen Fluggesellschaften kein Thema. Es ist vielmehr ein Tabu, und zwar ein absolutes. Die meisten Luftlinien – selbst jene, die in ihrer oft langjährigen Unternehmens-Chronik nicht einen einzigen Unfall zu beklagen ‚hatten – hüten sich, damit zu werben, wie sicher doch der Flug mit ihnen sei. Denn – theoretisch – könnte ja schon morgen etwas passieren, was eine solche Werbung im Nachhinein als makaber erscheinen lassen würde.

Im Laufe der letzten Jahre ist nun ein Risiko-Faktor hinzugekommen, der alle Sorgfaltsmethoden der Luftfahrtgesellschaften arg gefährdet: Die Angst vor Sabotage, Bombenanschlägen und Flugzeugentführungen. Um sich gegen derartige Terrorakte zu schützen, läßt man auf vielen Flughäfen Schützenpanzer auffahren, postiert Soldaten und Grenzschützer an den strategisch wichtigen Punkten, durchsucht das Handgepäck der Flugpassagiere und unterzieht sie einer Leibesvisitation.

Und die Passagiere akzeptieren diese Vorsorgemaßnahmen. Sie lassen sich befummeln und beschauen, schrauben Photoapparate auseinander und zeigen ihre Nachtgarderobe vor. Sie murren auch nicht darüber, bereits eine Stunde vor Abflug der Maschine (bei Charterflügen sogar bis zu drei Stunden) am Flughafen sein zu müssen. Alle Hindernisse werden klaglos hingenommen in dem Wissen, es sei ja alles nur zur eigenen Sicherheit. Unter diesem Aspekt muß man wohl auch die heimlich vorgenommenen Überprüfungen des aufgegebenen Fluggepäcks sehen, die etwa die Deutsche Lufthansa seit einigen Wochen durchführen läßt.

So weit, so gut. Doch was muß der geplagte Passagier, der alle zeit- und nervenraubenden Sicherheitskontrollen passiert hat, denken, wenn er erfährt, daß man beispielsweise in Algier nur sein Ticket vorzeigen muß und dann ein Flugzeug betreten kann wie in München oder Frankfurt die Straßenbahn? Welchen Unmut muß er empfinden, wenn er sieht, daß auch in Paris-Orly Linienmaschinen starten können, ohne vorherige Überprüfung der Fluggäste? Wenn er auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen zwar „abgesondet“ wird, sein seitlich abgelegter Mantel nebst Tascheninhalt aber ungeprüft bleibt.

Derartige Sicherheitslücken im internationalen Flugnetz führen die andernorts so aufwendigen Kontrollen ad absurdum. Was nutzt schon das scharfäugige Durchspüren der Aktentaschen in Hamburg-Fuhlsbüttel, solange nicht auf allen Flughäfen der Welt gleichermaßen streng kontrolliert wird? Einige wenige Schwachstellen, genügen bereits, um potentielle Attentäter trotz aller Millionenaufwendungen für Sicherheitsmaßnahmen zu ihrem abscheulichen Werk kommen zu lassen. Eine absolute Sicherheit läßt sich im internationalen Luftverkehr gewiß nicht erreichen. Aber allmählich reißt doch wieder ein gefährlicher Schlendrian bei den Kontrollen ein.

Und daß selbst in Deutschland die Bombe nicht im Handgepäck an Bord geschmuggelt werden muß, bewies der makabre Fall jenes Kellners aus Hessen, der im April dieses Jahres durch ein Loch im Zaun des streng bewachten. Frankfurter „Rhein-Main-Flughafens kletterte, um sich anschließend in einem geparkten Boeing-Jet auszuschlafen. Der Mann wurde inzwischen wegen Hausfriedensbruch verurteilt, und der Drahtzaun ist geflickt – nur eines der Löcher im Sicherheitsnetz.

Werner Dageför