Säße Franz Barsig noch auf seinem Intendantensessel, würde man ihn jetzt einen Nestbeschmutzer nennen, und für eine Wiederwahl gäbe es kaum noch Chancen. Aber aus der Wiederwahl wurde sowieso nichts, und als ein Nestbeschmutzer kann (und wird ihn wohl) allenfalls seine eigene Partei, die SPD, abtun.

Unerhörtes ist geschehen. Franz Barsig, gelernter Journalist, lange Jahre Sprecher der SPD in Bonn, sodann für ein Jahrzehnt Intendant des Senders Freies Berlin, hat mit dem System, dem er diente und das er kennt, ohne Schnörkel und Schonung abgerechnet. In einem Welt-Artikel und einem großen Spiegel-Interview, deren Veröffentlichungen doch, wohl nicht zufällig nur zwei Tage auseinanderlegen, hat er die Misere des öffentlich-rechtlichen Rundfunks en detail bloßgelegt.

Die Barsig-Bombe hat ihr Ziel nicht verfehlt. In den oberen Etagen der Funkhäuser, bei den Gremien und in den Parteizentralen zeigt sich Irritation, schon wird an den Diffamierungsmechanismen gebastelt. Barsig – wer ist das schon? Ein Verbitterter, Gescheiterter, der im Zorn wild um sich schlägt. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Barsig hat die Phase der Verbitterung längst hinter sich. Nein, hier haben nicht Rachgelüste, sondern Einsicht und ein bißchen Verzweiflung die erbarmungslose Kritik diktiert.

Für Barsig ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein erstarrtes Gebilde, kaum noch zu erneuernder Kreativität in der Lage: „Das Planstellendenken führt zu Überbesetzungen, so daß die Funkhäuser eine schöne Crew hochbezahlter Däumchendreher ihr eigen nennen können.“ Wie wahr. Jeder, der weiß, wieviele Nichtsnutze in den Sendern herumlungern und ihre Zeit vornehmlich aufs Intrigieren verwenden, kann Barsig nur recht geben.

Dieser schlimme Zustand hat drei Ursachen:

Erstens die planlosen Einstellungen in den Jahren, als das Geld noch reichlich und die Neigung guter Journalisten, zum Fernsehen zu gehen, gering war.

Zweitens die Politik der Parteien, „ihre“ Leute, ohne Rücksicht auf Qualität, ins System zu pressen.