DIE ZEIT

Schwieriger Paradiesvogel

Senatoren, die nicht aus Politik und Verwaltung, sondern aus der Wissenschaft kamen, hatte Berlin schon mehrere. Sie waren meist brillant und farbig, aber auch eigenwillig und unbequem.

Kein Endsieg

Wenigstens einen Erfolg kann Helmut Schmidt bei der Gipfelkonferenz in Bonn den versammelten Staats- und Regierungschefs vorzeigen: eine Inflationsrate von nur noch 2,5 Prozent.

Ein Riese unter den Pygmäen

Rudolf Bahro muß ins Gefängnis, weil er gedacht hat. Wenn einer, der vielleicht jahrelang nur nach Dogmen gelebt und gehandelt hat, nachdenklich wird, wenn er nachhakt, Beweise für seine Thesen sucht, sich nach ihnen richten will, dann sammelt er – im weitesten Sinn – auch Nachrichten.

Bonn muß führen

Für die nächsten sechs Monate hat die Bundesrepublik eine internationale Rolle übernommen, die sie bislang eher zögernd als zupackend spielte: Sie muß führen.

Krokodilssteuer

Pünktlich zum Ferientrubel hat die Sunday Times eine neue parasitäre Spezies ausgemacht: die „Touristenkrokodile“, die gefräßig und lästig allenthalben auf Albions Eilanden einherkriechen und dank der Wechselkurse den Briten auch noch ihren nationalen Besitz abknöpfen – all diese Franzosen, Italiener und Deutschen, die da wohlfeil englisches Tuch erstehen.

Zeitspiegel

Costa Rica, ob seiner Friedfertigkeit berühmter Zwergstaat Mittelamerikas, setzt sich dem Verdacht expansionistischer Gelüste aus.

Das Aschaffenburger Streitgespräch über das Dritte Reich und eine Filmpremiere als Schuldtherapie – zwei Lehrstücke: „Wir - zwischen Jesus und Hitler“

Da sitzen wir nun, seit mehr als dreißig Jahren – das Reich in Trümmern, die ostdeutsche Heimat verloren, Berlin geteilt, Preußen vernichtet; die alte Gesellschaft mitsamt ihren Werten zerschlagen, die neue noch ohne Konturen; die Welt erfüllt von Waffengerassel, die Herzen voll geheimer Ängste – vor atomaren Katastrophen, vor Inflation und Arbeitslosigkeit, vor Terroristen; und über alldem immer wieder Hitler, Hitler, Hitler – man kann’s nicht mehr hören.

Wolf gang Ebert: Wetterbericht

Was tut die Regierung eigentlich gegen dieses Sauwetter? Die traurige Antwort: Wieder einmal nichts! Nachdem all ihre schönen Reformpläne buchstäblich ins Wasser gefallen sind, wirkt sie wie gelähmt, und selbst dem Kanzler, der sich neuerdings das Etikett „Regenmacher“ gefallen, lassen muß, scheint es angesichts der allgemeinen Klimaverschlechterung in unserem Land die Sprache verschlagen zu haben.

Zweifel im Comecon

Natürlich findet sich in dem siebenseitigen Bukarester Kommuniqué der Ostblock-Wirtschaftsgemeinschaft (Comecon) das politisch Wichtigste nicht einmal zwischen den Zeilen.

Falsches Signal aus Jerusalem

Nun packen die Außenminister abermals ihre Koffer – der Amerikaner Vance, der Israeli Dayan und der Ägypter Kaamel. Ziel ihrer Reise ist diesmal London, wo sie von Mitte Juli an gemeinsam die vor sechs Monaten abgebrochenen Nahost-Gespräche wieder in Gang bringen wollen.

In Afrika verrinnt die Zeit

Sichtlich beeindruckt von seiner Afrika-Reise resümierte der Bundeskanzler: "Die Lage in Rhodesien ist explosiv." Sie ist es in der Tat.

Indiras Chancen

Wochenlang hat Indiens Regierungschef der Wühlarbeit seiner Widersacher im eigenen Kabinett tatenlos zugesehen. Monatelang hat er Wasser auf die Mühlen derjenigen gegossen, die argwöhnen, die wahren Note seines Landes ließen ihn kalt, da er nun sein Lebensziel erreicht habe und Premierminister geworden sei.

Ungeliebte Boten der Wahrheit

Genau 14 Tage nach der festlichen Einweihung des Prager ARD-Studios, bei der deutsche Fernsehgewaltige und Prager Funktionäre miteinander das Glas auf gute Zusammenarbeit hoben, ist der ARD-Korrespondent Helmut Clemens Knall auf Fall ausgewiesen worden.

Breschnjews Standpauke

Genossen! 1979 und 1980 müssen wir alle mit Hochdruck arbeiten. Um die Auflagen des ganzen Fünfjahrplans zu erfüllen, muß man in den verbleibenden zwei Jahren die Zuwachsraten der Produktion und die Arbeitsproduktivität beträchtlich erhöhen sowie viele andere Kennziffern verbessern.

Helmut Kohl am Potomac

Auch wenn er es nicht zeigen wollte: Senator Javits war sichtlich betreten. Der Republikaner aus New York, einer der wichtigsten Männer im Außenpolitischen Ausschuß des Senats, war nach einer Abendsitzung auf dem Capitol mit hängender Zunge in das Haus Botschafters von Staden geeilt, um den deutschen Oppositionsführer dort noch zu treffen.

Rechtsruck in Portugal

Das Triumphgefühl war ihm deutlich anzusehen, mit dem sich Francisco Sa Carneiro am vergangenen Sonntagabend den Delegierten des sozialdemokratischen Parteikongresses präsentierte.

UNO empfiehlt Abrüstung

Die Uno-Sondervollversammlung über Abrüstüngsfragen hat ihre Arbeit mit einem Schlußdokument beendet, das auf eine Beendigung des internationalen Wettrüstens und eine schrittweise nukleare und konventionelle Abrüstung abzielt, Wie die übrigen Beschlüsse der Vollversammlung hat dieses Dokument freilich nur empfehlenden Charakter.

„Count down“ des Grafen

Nur was im Bundestagsplenum gesagt wird, bleibt geheim – auf absurdere Weise als durch die Veröffentlichung des sogenannten Terror-Protokolls hätte das alte Aperçu Erhard Epplers nicht bestätigt werden können.

Afghanland auf der Grenze

Lärm in Kabul: Putschende Armeeinheiten schießen sich mit Panzern und Schützenpanzern in den Regierungspalast. Linke, sowjetfreundliche Militärs und Politiker reißen über die Leichen des Republikspräsidenten Mohammad Daud, seiner nächsten Verwandten und führenden Minister die Macht an sich, im Zeichen von „Revolution, Demokratie und Fortschritt“.

Ohne Atom? – Ja

In meinem Artikel sind leider bei der deutschen Übersetzung einige mir wichtige Aussagen sinnentstellend wiedergegeben worden.

Wo bleiben die Liberalen?

Habermas findet den deutschen Liberalen im April 1978 nicht mehr viel wert, zu wenig kritikbereit; er vermißt ihn im Kreise derer, die gegen die Berufsverbote kämpfen er sieht ihn eingebunden in eine politische Bewegung, die irgendwie nach rechts treibt; belastet mit nationalen und obrigkeitsstaatlichen Hypotheken; auf dem besten Wege, in eine „neue Militanz alter Rechtsintellektueller eingebunden zu werden“; unfähig, für liberale Prinzipien noch zu kämpfen: „anscheinend muß man in diesem Lande Polizist sein“ für den Kampf um liberale Prinzipien.

Zehn Jahre - unerträglich

Der Mann, dem die Bundesrepublik Deutschland ihre erste entscheidende Niederlage vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg verdankt, ist kein strahlender Held des Tages.

Extra ein Schmiertrupp

Fietje, die Blumenfrau vom Bremer Liebfrauenkirchhof, ist sauer. Am 6. und 7. Juli darf sie nicht da stehen, wo sie seit Jahrzehnten immer steht – ganz nahe beim Rathaus; denn da steht am 6.

Keine Bambule im Birkenhof

Das Grundstück Bleekstraße 20 im Hannoverschen Schmuckstadtteil Kirchrode ist anders gesichert als die Grünflächen der Villen und Reihenhäuser der Umgebung.

Gottes Krieger kennen keinen Feiertag

Das letzte Wochenende war anders als sonst im Hamburger Stadtteil Sankt Pauli. Auf der Reeperbahn sang niemand zu Klampfen und Posaunen fröhliche Lieder vom lieben Herrn Jesus.

Hochbezahlte Daumendreher

Säße Franz Barsig noch auf seinem Intendantensessel, würde man ihn jetzt einen Nestbeschmutzer nennen, und für eine Wiederwahl gäbe es kaum noch Chancen.

Zeitliches aus München: King Kiesls Pomp-Parade

Die Bayern hatten immer eine kleine Schwäche für großen Prunk. Und sie schätzten die Prinzregenten, Kurfürsten und Könige, die ihnen – auf Steuerkosten – zeigten, wie man prachtvoll Staat hält.

Ehrenerklärung für Deutschland

Weiß man, daß der ausgezeichnete Gelehrte seine Geburtsstadt München in jungen Jahren verließ, weil er sie verlassen mußte; bedenkt man auch seine Angehörigkeit zu Résistance und seine Deportation nach Dachau – so hat man allen Grund, das Porträt, das er von der Bundesrepublik zeichnet, sorgfältig zu studieren.

Bunt in den Tod

Das belgische Ehepaar Liliane und Fred Funcken ist seit gut einem Jahrzehnt auf die Herausgabe von Uniformbüchern spezialisiert, die seit einem Jahr auch ins Deutsche übersetzt werden.

Bürgertum-Kritik: Mit schriller Posaune

Nach einem Wort von Novalis ist das Chaos produktiv; nicht passive Anpassung ans Vorgegebene, sondern eingreifendes Gestalten des „Fließenden“ setzt schöpferische Kräfte in Bewegung.

Wer verteidigt den Staat?

Gegen Ende des vergangenen Sommersemesters avancierte ich unfreiwillig zur Titelfigur eines Comic strips. Auf einer großen Wandzeitung, fand ich mich wieder: Ich saß unter einem Porträt von Bundespräsident Scheel und schrieb an einem Buch über „Terrorismus und Strafrecht“, sprach freundschaftlich mit einem Staatsanwalt der Staatsschutzabteilung und schwang, zum Schluß, mit hochrotem Kopf eine Keule, in einer Sprechblase Anwesenheitslisten und Zensuren androhend.

Der Kampf um die Macht

Daß es gelegentlich kracht in der Verwaltung des Luft- und Raumfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), ist nichts Neues.

Rheingold für Europa

Der Bundeskanzler kann zufrieden sein. In Bremen sind die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft zusammengekommen, um – nach vorherigen Einzelkonsultationen in Helmut Schmidts Hamburger Haus – des Kanzlers währungspolitische Pläne für Europa zu diskutieren – und festzuschreiben.

Wie die Bahn?

Vorläufig bleibt also bei den Fliegern alles beim alten. Der Tarifdschungel über dem Nordatlantik, in dem sich Fluggäste wie Reisebürokaufleute verirren, wird nicht verschwinden, ja, er wird vielleicht sogar noch dichter.

Denkzettel für Graf Davignon

Die Brüsseler EG-Kommission hat nach dem Motto "um Schlimmeres zu verhüten" in den vergangenen Monaten immer stärker zu Interventionismus und Protektionismus gegriffen.

Bonner Kulisse

Der Schatzmeister der Bonner Kreismittelstandsvereinigung der CDU, Georg Bocklet, schickte zwei Bonner Journalisten eine Aufforderung zur Beitragsnachzahlung für ihre Mitgliedschaft in der Vereinigung.

Lahme Antwort

Der DGB hat den Neomarxisten geantwortet, die in einem „Gegengutachten“ Alternativen zur Wirtschaftspolitik vorgelegt haben (DIE ZEIT vom 2.

Keine Fusion

Die seit Jahren heiß umstrittene Fusion der Stadtsparkasse Köln mit der Kreissparkasse Köln zur größten deutschen Sparkasse mit einem Bilanzvolumen von rund 13 Milliarden Mark ist zunächst an den zustimmungspflichtigen Kreistagen gescheitert, in Wahrheit wohl am Widerstand des Vorstandes der Kreissparkasse, der an seiner Selbständigkeit nicht rütteln lassen wollte.

Distanz zum großen Bruder

Auf wenigstens einem Felde hat die Wirtschaftsgemeinschaft der kommunistischen Welt, der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW oder Comecon), die Europäische Gemeinschaft überflügelt: Seit dem vergangenen Wochenende umfaßt sie zehn aktive Mitglieder, Außer den sieben Staaten des Warschauer Pakts gehören Kuba, die Mongolei und nun auch Vietnam dazu.

Der einsame Streicher

Gaddum findet für seine radikalen Steuerpläne selbst in der CDU noch keine Unterstützung

Nach dem Motto: Hier kann jede

Zur Geisterstunde dreht Italiens Männerwelt am Fernsehknopf. Auf der Mattscheibe zeigen sich da die verschleierten Frauen. Allerdings lassen sie recht bald ihre Hüllen fallen und zeigen ganz ungeniert, daß sie vor allem aus recht viel Körper bestehen.

Frankreich: Sommer der leeren Kassen

Immer wenn der Sommer naht, fängt in einigen Pariser Zeitungsredaktionen das große Zittern an. Denn während der Ferienzeit geht nicht nur das Anzeigengeschäft empfindlich zurück, auch die Auflagen schrumpfen regelmäßig.

Zeitliches aus Italien: Römische Skizzen

Wie kann man beweisen, daß ein Gesetz absurd ist? Ganz einfach: Indem man es dem Buchstaben gemäß anwendet. Vielleicht wurde der römische Staatsanwalt Nino Fico vom Reformeifer getrieben, als er die Elite der italienischen Theater-, Oper- und Konzertdirektoren insGefängnis schickte.

Päckchen um Päckchen

Gefragt, wie groß denn die Beteiligung seines Instituts bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank nun wirklich sei, meinte jüngst der neue Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Hans Friderichs, salopp: Es sei nur ein „Päckchen“.

Unter Ausschluß der Deutschen

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Heinz Pensky hat Bundestagspräsident Carl Carstens um Rechtsschutz gebeten. Bei allem Respekt vor der journalistischen Meinungsfreiheit will Pensky nicht hinnehmen, daß er mit Verbalinjurien bedacht wird.

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