Wochenlang hat Indiens Regierungschef der Wühlarbeit seiner Widersacher im eigenen Kabinett tatenlos zugesehen. Monatelang hat er Wasser auf die Mühlen derjenigen gegossen, die argwöhnen, die wahren Note seines Landes ließen ihn kalt, da er nun sein Lebensziel erreicht habe und Premierminister geworden sei. Doch als das böse Wort fiel von der „Bande impotenter Kerle, die das Land nicht regieren“, wurde es selbst Morarji Desai zu bunt: Er entließ den mächtigsten Mann in der Regierung, den Innenminister Charan Singh, und dessen getreusten Palladin, den Gesundheitsminister Raj Narain, der seinerzeit Indira Gandhi ihren Wahlkreis abgenommen hatte.

Dies wäre nicht weltbewegend, wenn die Vorwürfe tatsächlich aus der Luft gegriffen wären. Doch Desai hat in der Tat nicht mit seinen Pfunden gewuchert. Nach dem überwältigenden Wahlsieg im vergangenen Jahr hat er die Zügel schleifen lassen, hat zugesehen, wie die Regierungspartei immer mehr zerbröselte, hat seine Wähler enttäuscht. Sein erstes Durchgreifen kam viel zu spät – und auf dem falschen Feld.

Denn mittlerweile sammelt Indira Gandhi fleißig Pluspunkte. Wie schnell die Exzesse ihrer Notstandsregierung vergessen sind, zeigen die Resultate der jüngsten Teil wählen und Meinungsumfragen. Da liegt sie weit vorn. Das Regierungslager steht schwer angeschlagen da; die Selbstzerfleischung geht weiter. So steigen die Chancen für eine Wiederkehr der entthronten „Kaiserin von Indien“ von Tag zu Tag. Vy