In Saudi-Arabien, wo noch alte Sitten herrschen, sind zwei Ausländer, die, entgegen dem moslemischen Gesetz, Alkohol hergestellt, getrunken und an andere abgegeben hatten, öffentlich ausgepeitscht worden. Diese Ausländer waren Engländer. Der englische Botschafter in Riad hat bei der saudiarabischen Regierung protestiert.

Wer wird dem Botschafter hier nicht beipflichten! Hat man doch unwillkürlich den Eindruck, daß Prügelstrafe die Engländer härter trifft als die Bürger anderer Staaten. Hier werden nicht nur Körperteile getroffen, sondern auch jene Seelenpartien, in denen der englische Stolz wohnt. Es ist dies ein personeller, aber zugleich genereller Stolz. Müssen zwei Engländer die Prügelstrafe hinnehmen (und aus London wird gemeldet, daß noch sieben andere britische Staatsbürger die gleiche Strafe wegen derselben moslemischen Gesetze erwartet), so fühlen alle Engländer sich getroffen.

Vor wenigen Jahren ist der Staatschef und Marschall von Uganda, Ich Amin, auf die Idee gekommen, daß englische Einwohner oder Besucher seines Landes ihn tragen sollten, da sie geäußert hatten, er sei. unerträglich. Ich, erinnere mich nicht mehr, ob es vier oder sechs Engländer waren, die den dicken Diktator trugen, doch ihre Gesichter sehe ich noch vor mir, so wie die Photographie sie zeigte. Die Herren hatten den Tragsessel, auf dem der Herrscher saß, geschultert. Alles war schwer: der Thron, eine Art Podium, auf dem er befestigt, war, der gewaltige Herrscher, der ein breites Lächeln aufgesetzt hatte. Allein dieses Lächeln weg schätzungsweise einen Zentner, die Orden des Marschalls zwei. Aber die Trag-Engländer verzogen keinen Muskel ihrer Antlitze. Ihre Mienen waren trotz der Tropen kalt, hatten etwas Lässiges, Nachlässiges. Es war, als stellten sie seelenruhig und mit Verachtung den leibhaftigen Gottseibeiuns aus, zu seiher, nicht. zu ihrer Strafe.

Gewiß ist es mit weitaus größerer Mühe verbunden, ein englisches Benehmen an den Tag. zu legen, wenn arabische Strafbeamte mit der Peitsche kommen. Hier stehen zwei Volksbräuche gegeneinander: die Sitte, Schnaps zu brennen und zu saufen, und die Bekämpfung alkoholischer Freuden. Und da jedes Land nach seinen eigenen Gesetzen richtet, anstatt nach denen des hereingekommenen Fremdlings...

Stolze, nachlässige Haltung gegenüber Prügeln scheint ohnehin das Gebot der Stunde. Es gibt ja, scheint’s, heute mehr Länder, in denen die Tortur angewandt wird, als solche, in denen man weder prügelt noch torturiert.