Wenigstens einen Erfolg kann Helmut Schmidt bei der Gipfelkonferenz in Bonn den versammelten Staats- und Regierungschefs vorzeigen: eine Inflationsrate von nur noch 2,5 Prozent. Unter den Industriestaaten kann außer der Schweiz kein Staat ein besseres Ergebnis vorweisen. In der Bundesrepublik muß man schon bis ins Jahr 1969 zurückgehen, um eine Preissteigerungsrate von weniger als drei Prozent zu finden. Danach war es ständig bergauf gegangen, bis schließlich 1973 und 1974 ein Anstieg der Verbraucherpreise um sieben Prozent Erinnerungen an die Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg wach werden ließ.

Der Weg zurück war mühsam – und er hat Opfer gekostet. Die 1973 eingeleitete Stabilisierungspolitik hat zusammen mit der Ölpreiskrise, den Währungsunruhen und weltwirtschaftlichen Strukturverschiebungen die Arbeitslosenzahl in eine Höhe schnellen lassen, die in den sechziger Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Doch es gibt gute Gründe für die Annahme, daß ohne den Kampf gegen die Inflation die Arbeitslosigkeit heute noch größer wäre. Auch die Erfahrungen in unseren Nachbarländern sprechen für diese These.

Die Freude über den Erfolg wird allerdings dadurch getrübt, daß er nach Ansicht der Konjunkturforscher nur von kurzer Dauer sein könnte. Schon warnen sie vor einer neuen Beschleunigung der Geldentwertung. Der Kampf um die Stabilität des Geldwertes ist trotz aller Erfolge noch nicht gewonnen. mj