Frankfurt: „Daniel Chodowiecki – Bürgerliches Leben im 18. Jahrhundert“

„Unser wackerer Chodowiecki“ nennt ihn Goethe in den „Propyläen“ und bewundert seine „Szenen einer gesunden Natur, die sich ruhig entwickelt, einer zweckmäßigen Bildung, eines treuen Ausdauerns, eines gefühlten Strebens nach Werth und Schönheit“. Auch der Wackere hatte einmal Größeres gewollt, hatte, als er vom Berliner Kaufmannsgehilfen zum Künstler überwechselte, sich zur Historienmalerei berufen geglaubt und diesen Traum rasch aufgegeben, weil er auf einem weniger anspruchsvollen Gebiet, dem sittlich bürgerlichen Genre sogleich einen beispiellosen Erfolg zu verzeichnen hatte. Chodowiecki wurde zum produktivsten und beliebtesten Illustrator seiner Epoche, weil die Zeitgenossen in seiner Graphik ihr Ideal, ihre Wertvorstellungen aufs schönste bestätigt sahen: Arbeit, Pflichten und Häuslichkeit garantieren den Himmel auf Erden – einen bescheidenen, bürgerlich dimensionierten Himmel, der allen strebend sich Bemühenden offensteht. Graphik als moralische Anstalt, im Dienst der Aufklärung, zwecks Verbesserung der Sitten: so hat Chodowiecki seine Arbeit verstanden. In diesem Biedersinn hat er alles illustriert, was die Verleger ihm ein halbes Jahrhundert lang ins Haus schickten: Taschenbücher „für junge Damen“, die gerade in Mode kamen, und Genealogische Kalender, pädagogische Bücher und Weltliteratur, die „Minna von Barnhelm“ und den „Hamlet“, den „Werther“, dessen Gefühlslage seine Schlichtheit und sein bescheidenes Talent entschieden überforderte, aber auch und mit der gleichen handwerklichen Sorgfalt und Gediegenheit dem „Anti-Werther“ von Friedrich Nicolai. Manchmal fragt man sich, ob in so viel Tugend und Anstand nicht doch ein Gran Ironie enthalten sein könnte, womit man Chodowiecki aber doch wohl Unrecht täte. Seine Blätter sind so etwas wie ungewollte Karikaturen auf das zeitgenössische bürgerliche Leben, die durch Übertreibung des durchaus positiv Gemeinten entstehen. In der Frankfurter Ausstellung, von Margret Stuffmann und Peter Market kenntnisreich und zur belehrenden Unterhaltung dargeboten, werden die verschiedenen Aspekte dieser zeitbezogenen Kunst an einzelnen Themenkreisen dokumentiert. (Städelsches Kunstinstitut bis zum 20. August, Katalog 22 Mark) Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: „Maillol“ (Kunsthalle bis 3. September, Katalog 25 Mark)

Berlin: „Abbilder – Leitbilder“ (Orangerie bis 23. Juli, Katalog 12 Mark)

Essen: „Ulrich Rückriem – Skulpturen“ (Folkwang-Museum bis 16. Juli, Katalog 15 Mark)

Essen: „Götter – Pharaonen“ (Villa Hügel bis 17. September, Katalog 16 Mark)