Deprimiert? Dann laufen Sie. Laufen Sie meinetwegen zum Psychiater, aber drehen Sie vor seiner Tür auf dem Absatz um und laufen Sie wieder zurück. Denn Dauerlauf, das haben zwei Psychiater, drei Psychologen und ein Sportlehrer an der Universität von Wisconsin herausgefunden, hilft gegen Depressionen mindestens so gut und so nachhaltig wie eine Psychotherapie.

Die Wissenschaftler hatten 28 an Depression leidende Patienten, 15 Frauen und 13 Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren nach einer Zufallsauswahl in drei Gruppen eingeteilt. Die Mitglieder der ersten Gruppe erhielten während der zehnwöchigen Dauer der Studie insgesamt zehn psychotherapeutische Behandlungen, für die Patienten der zweiten Gruppe war die Anzahl der psychotherapeutischen Sitzungen nicht begrenzt. Die dritte Gruppe wurde vom Sportlehrer zum Dauerlauf angeleitet – dreimal wöchentlich je 30 bis 45 Minuten. Diese Patienten erhielten keine Psychotherapie, Diskussionen über Depressionen waren während der Zusammenkünfte zum Laufen nicht gestattet. Kein Proband durfte während der Untersuchungszeit Medikamente gegen Depression einnehmen.

In Abständen von zwei Wochen nahmen die Versuchspersonen an Psychotests teil, in denen der Grad des depressiven Zustands ermittelt wurde.

Hierbei stellte sich das Laufen als wirksamste Therapie heraus. Überdies blieben ihr die meisten Patienten treu; ein Jahr nach Abschluß der Untersuchung ergab eine Nachfolgestudie, daß sich fast alle Mitglieder der „Läufergruppe“ immer noch regelmäßig im Dauerlauf üben und frei von depressiven Symptomen sind.

Die sechs Forscher aus Wisconsin, die selbst begeisterte Dauerläufer sind, halten ihr Versuchsergebnis keineswegs für eine gesicherte psychiatrische Entdeckung. Doch sehen sie darin mehr als nur einen Fingerzeig. Man sollte die Bewegungstherapie gegen depressive Zustände in größeren Untersuchungen prüfen, empfehlen sie. Denn eine Psychotherapie ist nicht nur langwierig und teuer, sie ruft häufig erst im Patienten die Vorstellung hervor, er leide unter einer vielleicht nicht mehr heilbaren Krankheit. Demgegenüber nimmt jemand, der gegen seine Schwermut etwas so Natürliches tut wie das Dauerlaufen, seine Depression nicht mehr allzu ernst; und das allein kann schon zur Gesundung beitragen.

„Das Laufen“, sagt Versuchsleiter John Greist, „ist immerhin eine Therapie, mit der man sich selbst behandeln kann“, zudem hat sie noch den Vorteil, daß sie nicht nur der Seele, sondern auch dem Körper wohltut. V. G.