„Das Bingo- und Büfettzeitalter geht zu Ende“, kommentierte Alf P. Pollak, Chef des in Europa führenden Kreuzfahrten-Veranstalters Seetours International, den grundlegenden Wandel, der sich derzeit im Bereich der Seetouristik vollzieht. Seiner Meinung nach kann die Kreuzfahrt nicht mehr allein durch das kompakte Angebot von Unterkunft, Freizeitgestaltung, In Inkullischer Qualität und dem kulturellen Beiprogramm der Landausflüge jede neuen Kunden gewinnen, die den Urlaub auf dem Wasser den Ferien mit Autostans und überfüllten Stränden vorziehen würden. Die breite Palette der Zielgruppen zwingt zu neuen Überlegungen.

Der sich wandelnde Schiffstouristik-Markt spiegelt sich bereits bei den Veranstaltern wider: Während noch vor drei Jahrzehnten die Kreuzfahrt ein Privileg der obersten Einkommensschichten war, hat sich bei Seetours das Publikum in den letzten Jahren gewandelt. Inzwischen gehören 67 Prozent der Gäste des See-Veranstalters zur Kategorie der Angestellten. Sie blättern durchschnittlich 3000 Mark pro Reise hin.

Diese Strukturveränderung im Kundenpotential verlangt vom Veranstalter ein erweitertes Angebot: „Mit Teekränzchen und Tanzabend im Frack ist es nicht mehr getan.“ So sollten, meint Pollak, an die Stelle der traditionellen Erholungsreisen themenbezogene Kreuzfahrten treten. Neben Entspannung und Besichtigung müsse künftig ein weiterer Informations-Schwerpunkt an Bord offeriert werden. Beispielsweise können mitreisende Experten in kleineren Seminaren in Form von Vorträgen oder Diskussionen spezielle. Hilfen geben: Versuche mit den Themen „Geldanlage“, „Gesundheit“ oder auch „Gartenpflege“ seien positiv aufgenommen worden.

Der Weg zur speziellen Themen-Kreuzfahrt, der bereits vor Jahren unter kunsthistorischem Aspekt damit begann, daß man dem Reisenden unter einem bestimmten Motto, zum Beispiel „Auf den Spuren der alten Griechen“, das Gesamtbild historischer Epochen länderübergreifend zu präsentieren versuchte, kann nur behutsam eingeschlagen werden. Kontaktgespräche mit Reedern und eventuellen Partnern für die Hobby-Programme haben aber bereits begonnen.

Wenn das Buchungsautomaten der Seetouristik auch nur ein Prozent des gesamten deutschen Urlaubsreiseverkehrs ausmacht, so hat sich Seetours doch zu einer Erweiterung des Angebot-Spektrums entschlossen: Unter dem Signet „Die besondere Reise“ wird jetzt – nach einem erfolgreichen Probelauf im vergangenen Jahr – dem Gast „eine einmalige Zusammenfassung der touristischen Produkte internationaler Seetouristik“ geboten. Mit dem antiquiert anmutenden Motto „Begleitete Gesellschaftsreisen weltweit“ wendet sich das Unternehmen an den „Kunden mit hohem Bildungsniveau und dem entsprechenden Savoir-vivre“ und offeriert ihm 23 Reisen zu 29 Terminen bis Dezember 1979.

Garantiert werden „erstklassige Arrangements“ auf internationalen Luxus-Linern, die kaum einen interessanten Hafen auslassen. Deutschsprachige Reiseleitung und die Mitgliedschaft im Seetours Cruise Club, der für das VIP-Image der Gäste sorgen soll, sind im Reisepreis inbegriffen. Der bewegt sich zwischen 2250 Mark für eine 14tägige Kreuzfahrt im östlichen Mittelmeer und 75 000 Mark für eine 15wöchige Randum-die-Welt-Reise. Damit hat Seetours die Qualitätsspitze im Kreuzfahrtenbereich abgedeckt, zukunftsweisende Programmergänzungen für die mittleren und unteren Preisklassen sollen in den kommenden Jahren, folgen.

Hannah Glaser