Seit Janosch 1960 seine ersten Bilderbücher veröffentlichte, ist er mit erstaunlicher Zielstrebigkeit (die als solche nie zutage tritt) bei seinem Anliegen geblieben: Kinder ohne belehrenden Zeigefinger zu unterhalten. Daß er angesichts der Fülle von Erzählungen und Illustrationen sich einerseits niemals selbst ausgeschrieben, andererseits aber seine Unverwechselbarkeit bewahrt und kultiviert hat, umreißt andeutungsweise seinen Rang unter den lebenden deutschen Kinderbuchmachern. Auch das jüngste Produkt von –

Janosch: "Oh, wie schön ist Panama"; Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim; 48 S., 12,80 DM

fügt sich in ein Werkreihe ein, die ständig selbstgeschaffene Tradition und thematisch-graphische Neulanderoberung miteinander verbindet.

Die Fabel des Panamabuches ist banal-einfach: Ein "kleiner Bär" und ein "kleiner Tiger" leben selbstzufrieden und in jeder Weise autark "in einem kleinen, gemütlichen Haus mit Schornstein". Eines Tages entdeckt der Bär im Fluß eine vorübertreibende Bananenkiste, die er auffischt und durch sie Panama als das Land seiner Träume entdeckt, "denn Panama riecht von oben bis unten nach Bananen". Auf der Suche nach "Panama" führt sie ein selbsttäuschender Rundgang zu ihrem Haus zurück, das sie nicht wiedererkennen und abermals komfortabel einrichten – "Panama" ist gefunden.

Die Geschichte ist vielschichtig realisiert: Ganz kleine Kinder werden sich durch die sprunghaftassoziative Wort/Bild-Erzählung nicht überfordert fühlen, ältere haben Spaß an dem friedlichen Miteinander von Fuchs und Gans sowie von Hase und Igel, das dem Volkslied und dem Märchen zuwiderläuft, wieder älteren wird Gelegenheit gegeben, sich über die Einfalt der Protagonisten zu erheben, Erwachsenen schließlich wird der parodistische Grundzug der Erzählung nicht verborgen bleiben.

Vielleicht liegt in dem nirgendwo mutwillig forcierten Nebeneinander der verschiedenen Ebenen die Bedeutung des Buches. Die Sprache kommt ohne Schnörkel daher und steckt doch voll von Anspielungen und überraschenden Wendungen. Selbst dort, wo der Erzähler sich mit Hinweisen und Einwürfen in die Erzählung einmischt, wird nicht über die Köpfe der Kinder hinweggeredet.

Zudem: Es gibt keine optische Langeweile – die Illustrationen sind von einem Detailreichtum, der ständig über die Erzählung hinausweist und zum betrachtenden (und beschreibenden) Verweilen anregt. Scheinbar Unscheinbares gewinnt beim zweiten oder dritten Betrachten Bedeutung oder provoziert zumindest Heiterkeit "Ob, wie schön ist Panama" gehört nicht zu den Büchern, die nach einmaligem Vor- oder Selberlesen in der Ecke landen, weil sie nichts mehr zu sagen haben.