Von Marlies Moldenhauer

Manch Ebbevej“ steht auf dem Wegweiser in dem kleinen Ort Vedsted, etwa sechs Kilometer vor Ribe. Und der Name Ebbeweg hat durchaus seine Berechtigung, denn er ist nur bei Niedrigwasser zu befahren. Bei starker Flut ist die Insel Mandø von der Außenwelt abgeschnitten, nirgends führt eine schiffbare Rinne durchs Wattenmeer nahe genug heran. Und auch bei Ebbe kann nicht jedermann mit jeglichem Gefährt zwischen den Ufern einherpendeln. Allein ein Traktor, ein mächtiges Exemplar seiner Gattung, versteht es, sich diesen Weg über den fast trockengelegten „Meeresgrund“ zu bahnen.

Nördlich des alten Ebbeweges führt allerdings ein zweiter neuer Pfad nach Mandø. Es handelt sich um einen Privatweg, der durch einen Schlagbaum verschlossen ist. Jeder Einwohner hat einen Schlüssel; Gäste, die länger auf Mandø sind, können über diesen Weg auch den eigenen Wagen auf die Insel mitnehmen.

Uriger ist indes die offizielle Zufahrt: Auf der rund neun Kilometer langen Strecke aus aufgeschütteten Steinen werden die Passagiere in den beiden Anhängern des seltsamen „Watt-Expreß“ kräftig durchgeschüttelt. Aber Spaß macht die Schaukeltour schon, insbesondere, wenn man beiderseits der Piste einige mit langen Drähten bewaffnete Gestalten etwas unkontrolliert durch die Watten springen und wild ins seichte Wasser schlagen sieht. Das hat – dem ersten Anschein zum Trotz – einen Sinn und einen Grund: So werden die langen, aalartigen Hornfische erlegt. Auch die Mieter der Sommerhäuser auf Mandø bereichern auf diese Weise hin und wieder ihren Speisezettel.

Im Norden Mandøs bekommt unser Traktor nach rund 35 Minuten Fahrt wieder festen Boden unter die Räder, und wir rattern nun Mandø By entgegen, der „Hauptstadt“. Die etwa Zehn Quadratkilometer große Insel zählt heute nur noch 100 Bewohner, die Bevölkerung ist somit zu gering geworden, um alle Dienstleistungen in gewohnter Form aufrechterhalten zu können. Man hilft sich selbst. So ist die „Kronor“, die Besitzerin des einzigen Gasthofes, zugleich die Posthalterin, und der Pastor unterrichtet auch den Nachwuchs – fünfzehn Kinder zur Zeit.

Mit anderen Worten: Wer hier Urlaub macht, muß auf absolute Ruhe und Erholung eingestellt sein. Die Möglichkeiten sind begrenzt. Am Weststrand kann man baden und sich sonnen, auf dem elf Kilometer langen Deich kann man spazierenlaufen – und damit ist das Feriendomizil auch schon einmal umrundet. Es bleiben noch das kleine pittoreske Museum „Mandøhuset“, das Ornithologische Museum und ringsum viel Beschaulichkeit. Acht Kronen, etwa drei Mark, kostet die Angelkarte, sie gilt ein ganzes Jahr. Noch ein Tip für jene, die diese Karte zu nutzen wissen: Mit einer Flasche Rum unterm Arm wird sich gewiß ein Einheimischer finden lassen, der die Beute, den selbstgeangelten Butt oder Aal, schnell in seiner Räuchertonne miträuchert.

Fisch ist natürlich auch die ortsübliche Delikatesse auf der „großen Schwester“, der 50 Quadratkilometer weiten Insel Fanø im Norden. Hier hat die Fähre wieder den Part des Traktors übernommen, sie setzt von Esbjerg in zwanzig Minuten hinüber zur Inselhauptstadt Nordby. Während Mandø, die Marschinsel, aus dem Wattenmeer emporzuwachsen scheint, zeigt Fans, eine Geestinsel, ein anderes Kolorit: Grüne Wiesen und endlose Heideflächen, die sich im August zu ihrer vollen Pracht entfalten und wie farbige Kissen der Landschaft ihre besondere Note geben. Birkenwäldchen und Nadelholzschonungen laden zu langen Spaziergängen ein. Der breite und feste Weststrand vor der Dünenkette ist 14 Kilometer lang. Ganz Faule können mit dem Auto bis ans Wasser fahren, das ist ein fester Brauch auf der Insel, sein geliebtes Vehikel nimmt man auch an den Strand mit. Am Strand, zwei Kilometer hinter Nordby, liegt das „Feriehotel Vesterhavet“, das sich für den Familienurlaub anbietet – wenn man am „Massentourismus“ keinen Anstoß nimmt. Natürlich gibt es aber auch Sommerhäuser, Privatzimmer und Wohnungen zur Miete, das Touristbüro am Hafenplatz vermittelt sie.