Die Pariser Tageszeitungen stecken tief in finanziellen Schwierigkeiten

Immer wenn der Sommer naht, fängt in einigen Pariser Zeitungsredaktionen das große Zittern an. Denn während der Ferienzeit geht nicht nur das Anzeigengeschäft empfindlich zurück, auch die Auflagen schrumpfen regelmäßig. In diesem Jahr hat ein geachtetes Blatt bereits vor der Belastungsprobe aufgegeben: Seit der vergangenen Woche erscheint der Quotidien de Paris nicht mehr.

Doch das Ende dieser linksintellektuellen Tageszeitung mit den pointierten Schlagzeilen ist nur ein Symptom einer seit Monaten grassierenden Pressekrankheit. Am deutlichsten wurde das, als die renommierte Le Monde ihre Jahresergebnisse bekanntgab. Ihr Verkauf ging 1977 um 2,6 Prozent zurück, obwohl Frankreich mitten in einem der hitzigsten Wahlkämpfe der Nachkriegszeit steckte. Im weitaus ruhigeren Jahr 1976 war die Auflage dagegen noch um 3,3 Prozent gestiegen.

Mit dem Anzeigengeschäft war das Defizit an Leserinteresse nur unzureichend zu decken. Die Annoncen aller Art nahmen lediglich um ein Prozent an Umfang zu. Die Folge: Le Monde, bisher, die einzige gewinnbringende Pariser Tageszeitung, rutschte in die roten Zahlen ab und bescherte ihren Eigentümern (früheren und heutigen Redakteuren) einen Verlust von 217 000 Francs.

Das ist für sich gesehen noch keine Katastrophe, aber doch ein Warnzeichen, zumal sich auch bei den meisten Konkurrenzblättern rückläufige Leser- und Ertragszahlen finden. So erwirtschaftet die sozialistisch orientierte Tageszeitung Le Matin bei einer Auflage von 65 000 Exemplaren bisher nur eindrucksvolle Defizite.

Wie schwierig das Zeitungsgeschäft an der Seine geworden ist, mußte im letzten Herbst schon eine Gruppe von Journalisten einsehen, die mit Hilfe der Industrie J’informe lancierten. Die Vorschüsse waren so schnell aufgezehrt, daß das Abenteuer nur drei Monate dauerte. Die Kapitulation vor leeren Kassen war um so erstaunlicher, als finanzstarke Unternehmer mit Hilfe dieses Blattes der linkslastigen Le Monde Konkurrenz machen wollten.

Unter 30 000 bis 35 000 verkauften Exemplaren je Ausgabe ist heute in Paris eben, keine Tageszeitung lebensfähig. An diesem Soll scheiterte J’informe genauso wie die Quotidien de Paris; sogar L’Humanité, das Organ der Kommunistischen Partei Frankreichs, verkauft in Paris angeblich nicht einmal 20 000 Exemplare (Gesamtauflage: etwa 150 000). Die Humanité kann jedoch jederzeit mit Hilfe aus der wohlgefüllten Parteikasse rechnen.