Genau 14 Tage nach der festlichen Einweihung des Prager ARD-Studios, bei der deutsche Fernsehgewaltige und Prager Funktionäre miteinander das Glas auf gute Zusammenarbeit hoben, ist der ARD-Korrespondent Helmut Clemens Knall auf Fall ausgewiesen worden. Seine Arbeitsweise entspreche nicht journalistischen Geboten und diene nicht den „freundschaftlichen“ Beziehungen der beiden Staaten. Clemens arbeitete an einer Dokumentation über die Ereignisse von 1968. Er hätte freiließ wissen müssen, daß es damals nur Konterrevolution und zwielichtige Gestalten gab und daß ein journalistischer Ehrenmann nur mit denen spricht, die im Alleinbesitz der Wahrheit sind. Dies sind in der Regel die sowjetischen Ideologen, im Falle der ČSSR aber hätte es auch Vasil Bilak getan.

Das Bedürfnis, westdeutsche und westliche Journalisten wegzugraulen, teilen mit der ČSSR offenbar auch zwei andere kommunistische Staaten, die Sowjetunion und die DDR. Ein Schuft, der bei dieser Zufälligkeit Böses denkt? In Moskau strengte das sowjetische Fernsehen eine Klage gegen zwei amerikanische Journalisten an, weil sie die Echtheit eines Fernsehdokumentes bezweifelt hatten. Die DDR wiederum überzieht westdeutsche Korrespondenten mit Verwarnungen, wenn sie sie nicht hinauswirft. Offenbar verfährt man im Eisernen Dreieck nach der Methode, daß – wenn schon nicht die Wahrheit verborgen werden kann – ihre Boten verjagt werden müßten.

Immerhin sind Fortschritte zu verzeichnen. Im alten Griechenland wurden die Boten noch erschlagen, in der tiefstalinistischen Phase hat man sie eingekerkert; in Moskau wird nun angezeigt. Wenn das so weiter geht, dann findet sich noch ein kommunistisches Gericht, das Journalisten freispricht. E. N.