Erfahrungsbericht eines Strafrechtlers der Berliner Freien Universität

Von Joachim Wagner

Gegen Ende des vergangenen Sommersemesters avancierte ich unfreiwillig zur Titelfigur eines Comic strips. Auf einer großen Wandzeitung, fand ich mich wieder: Ich saß unter einem Porträt von Bundespräsident Scheel und schrieb an einem Buch über „Terrorismus und Strafrecht“, sprach freundschaftlich mit einem Staatsanwalt der Staatsschutzabteilung und schwang, zum Schluß, mit hochrotem Kopf eine Keule, in einer Sprechblase Anwesenheitslisten und Zensuren androhend.

Eine farbige und witzige, mit erheblichem graphischen Aufwand hergestellte Bildserie – kommentiert mit richtigen und falschen Zitaten, einer tückischen Mischung aus Dichtung und Wahrheit. Das Produkt einer die Projektgruppe begleitenden Arbeitsgemeinschaft aus K-Gruppen Studenten. Einige Kollegen kamen zu mir und fragten, ob ich die Lehrveranstaltung noch fortführen wolle; andere bekannten, sie hätten nicht den Mut gehabt zum Thema „Terrorismus und Rechtsstaat“ eine Lehrveranstaltung durchzuführen.

War ich zu blauäugig gewesen? Hatte ich die Brisanz des Themas angesichts der Einstellung und des Engagements der Studenten in diesem Bereich unterschätzt? Daß es schwierig werden würde, war mir klargewesen. Daß nahezu alle Hoffnungen und Erwartungen, die die Studenten und ich mit dieser Veranstaltung verbunden hatten, nicht erfüllt wurden, daß die Durchführung der Lehrveranstaltung für mich zu einer Auto-Scooter-Fahrt wurde – einige Meter freie Fahrt, dann ein neuer Zusammenstoß – dies kam für mich überraschend.

Was waren die Ursachen für diese Schwierigkeiten? Welches waren die wichtigsten, eingestandenermaßen sehr subjektiven Eindrücke und Erkenntnisse, die ich bei einer einjährigen Arbeit mit Jurastudenten über das Thema „Terrorismus und Rechtsstaat“ gesammelt habe?

  • Eine politisch-ideologisch tief gespaltene Studentenschaft;
  • die Kluft zwischen „studentischer“ und „allgemeiner“ Politik;
  • die Schwierigkeit, Jurastudenten Bedeutung und Inhalt des Verfassungsgrundsatzes „Rechtsstaat“ verständlich zu machen, und
  • das Fehlen jeder positiven Identifikation mit unserer Staats- und Gesellschaftsordnung bei der Mehrzahl der Studenten.