Was tut die Regierung eigentlich gegen dieses Sauwetter? Die traurige Antwort: Wieder einmal nichts! Nachdem all ihre schönen Reformpläne buchstäblich ins Wasser gefallen sind, wirkt sie wie gelähmt, und selbst dem Kanzler, der sich neuerdings das Etikett „Regenmacher“ gefallen, lassen muß, scheint es angesichts der allgemeinen Klimaverschlechterung in unserem Land die Sprache verschlagen zu haben.

Was hilft es, wenn es der Regierung zwar gelungen ist, die Preissteigerungsrate unter drei Prozent zu drücken, dafür die Regensteigerungsrate allein auf meinem Dach um 137 Prozent gestiegen ist? Da verfängt auch die Ausrede nicht, der Regen sei nicht hausgemacht, sondern eine europäische Erscheinung, und die Bundesrepublik sei gegen Kälteeinbrüche besser geschützt als etwa Italien.

Haben wir, wie die Opposition behauptet, eine Schönwetterregierung, die bei Schlechtwetterperioden sofort versagt? War das Wetter unter Adenauer, aber auch unter Erhard, dem wir ja das damalige „Wetterwunder“ verdanken, wirklich besser, und hat es sich dann erst unter Brandt verschlechtert?

Fest steht wohl, daß die Erwartungen auf langfristiges Schönwetter damals zu hoch geschraubt waren und die Regierung wohl allzu lange und naiv auf ein russisches Hoch gehofft hat. Andererseits sollte man sie auch nicht allein für die nordatlantischen Störungen verantwortlich machen, wie das neulich von Weizsäcker tat.

Es klingt allerdings wenig überzeugend, wenn Regierungssprecher Bölling beteuert, man sei von dem schlechten Sommerwetter keineswegs überrascht worden und verkenne die Bedeutung des Wetters für das allgemeine Klima durchaus nicht. Die Regierung kann sich ihrer Verantwortung nicht einfach entziehen, indem sie auf die Abkühlung der Beziehungen zwischen Moskau und Washington hinweist oder der Opposition vorwirft, sie blockiere im Bundesrat alle Wetterschutzmaßnahmen.

Offensichtlich herrscht im Bundeskabinett hinsichtlich der Regenabwehr völlige Ratlosigkeit. Das geht auch aus einer als „streng geheim“ erklärten Studie hervor, die inzwischen als Wurfsendung in alle Haushalte gelangte. „Das sind alles Tropfen auf einen heißen Stein“, wird Bundesminister Baum darin zitiert.

Am Horizont der Koalition stehen jedenfalls dunkle Wolken, und der Wind bläst ihr ins Gesicht – nicht zuletzt, weil der wetterwendische Genscher, als Außenminister ebenfalls für Großwetterlagen zuständig, sein Fähnlein allzu deutlich in den Wind gehängt hat. Man denke nur an seine gescheiterte Politik der Wolkenauflockerung, die den „Grünen“ zueinem starken Aufwind verhalf.