Vorläufig bleibt also bei den Fliegern alles beim alten. Der Tarifdschungel über dem Nordatlantik, in dem sich Fluggäste wie Reisebürokaufleute verirren, wird nicht verschwinden, ja, er wird vielleicht sogar noch dichter. Doch die Fluggesellschaften schärfen schon die Buschmesser, um Pfade in das Dickicht zu schlagen.

Auf der Sondersitzung des internationalen Luftfahrtkartells IATA in Montreal beschlossen die Mitglieder jedenfalls, die strengen Regeln der Organisation zu lockern. Aber es wird noch rund ein Jahr dauern, bis es soweit ist.

Dabei geht es keineswegs nur darum, daß es künftig keinen Streit mehr darüber geben soll, welcher Belag auf einem Sandwich sein darf; auch die rigiden Preisvorschriften sollen gelockert werden.

Rosa Zeiten also für Fluggäste? Nun, in Amerika liegen die ersten Erfahrungen mit der Tariffreigabe vor: Seit die Frachtraten nicht mehr reguliert sind, gingen einige wenige Preise herunter, die meisten aber stiegen.

Nach wie vor wird jedoch das Verkehrsministerium ein wachsames Auge auf die Preispolitik der Lufthansa werfen. Und Minister Gscheidle weiß inzwischen: Sich mit der Lufthansa durch Niedrigpreise eine „zweite Bundesbahn“ heranzuziehen, ginge sehr schnell; das Defizit dann aber wieder zu beseitigen, wäre ein schmerzlicher Prozeß. Letzten Endes könnte es aber nicht Sinn des Luftverkehrs sein, daß der Steuerzahler für niedrige Passagepreise zur Kasse gebeten wird. hm