Von Klaus-Peter Schmid

Diesem Artikel ging in der vergangenen Woche eine Darstellung der Berufschancen in den Institutionen der Europäischen Gemeinschaft voraus: „Wer will zu den Bürokraten?“

Karriere an der Seine, dazu noch in internationaler Umgebung – wer hat nicht schon davon geträumt? In der Tat gibt es in Paris eine Reihe wichtiger internationaler Organisationen, die ihr Personal aus allen Ländern rekrutieren. Doch Interessenten sollten sich keine Illusionen machen: Posten sind um vieles rarer als geeignete Kandidaten.

Da ist zunächst die UNESCO, der „kulturelle Ableger“ der Vereinten Nationen. Wer nur fünf Minuten in der Empfangshalle zugebracht hat, ist sich klar, daß hier die Welt ein- und ausgeht. Doch deutsche Bewerber haben es schwer. Jedes der 142 Mitgliedsländer hat ein Anrecht darauf, angemessen im Stab der Mitarbeiter vertreten zu sein.

„Die Nationalität ist sehr wichtig“, heißt es bei der UNESCO. Da die Industrienationen überrepräsentiert sind, werden Bewerber aus der Dritten Welt bevorzugt. Die Bundesrepublik, die 34 Beamte in der Zentrale stellt, hat zwar ihr Kontingent noch nicht ganz ausgeschöpft; doch andere Länder weisen einen viel größeren Rückstand auf.

Englisch und Französisch sind die obligatorischen Amtssprachen, Deutsch ist überhaupt nicht gefragt, dagegen schon eher eine Sprache wie Spanisch oder Arabisch, mit der man in Entwicklungsländern etwas anfangen kann. Am besten stehen die Chancen, für ein konkretes Projekt in der Dritten Welt engagiert zu werden. Spezialisten der Sozial- und Naturwissenschaften, aber auch aus den Bereichen des Erziehungswesens sind besonders gefragt.

Projektverträge sind allerdings zeitlich begrenzt, meist auf ein oder zwei Jahre. Eine anschließende Übernahme in die Zentrale oder in eine Außenstelle ist normalerweise nicht möglich. Interessenten wenden sich am besten an das „Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen“ in Frankfurt, das alle Stellenausschreibungen erhält. „Nur auf gut Glück seine Unterlagen einzuschicken“, heißt es in Paris, „hat kaum einen Sinn.“