Das Pfannkuchen-Wettessen und seine kulinarischen Seitenlinien nicht mitgerechnet, setzen sich die zeitgenössischen Leibesübungen aus etwa 200 Sportarten zusammen. Und in den meisten von ihnen gibt es Weltmeisterschaften. Zum Beispiel im Fechten, einer jener klassischen Sportarten, die seit 1896 auf dem Programm der Olympischen Spiele stehen. Die nächsten Fecht-Weltmeisterschaften finden vom 12. bis 22. Juli in Hamburg statt – und nun sollte man meinen, die Veranstalter würden sich in der Erwartung, während der Finaltage eine volle Halle zu erleben, vor Vergnügen die Hände reiben; denn Hamburg; sieht immerhin die erste Fecht-WM auf deutschem Boden.

Aber völlig falsch: man fürchtet vielmehr leere Ränge. „In Hamburg hat es überhaupt noch nie eine Weltmeisterschaft gegeben, das Sackhüpfen eingeschlossen“, sagte Joachim Nickel, Präsident des Hamburger Pecht-Verbandes und Presse-Chef der Fecht-WM 78. „Trotzdem muß ich aus den Kartenvorbestellungen entnehmen, daß die meisten Zuschauer gar nicht aus Hamburg, sondem aus Tauberbischofsheim kommen.“

Das hat seinen Grund. In Tauberbischofsheim ist Bundestrainer Emil Beck zu Hause, und der hat mit viel persönlichem Einsatz dieses Städtchen zur Hochburg der deutschen Degenfechter gemacht. Aus Tauberbischofsheim also kommt ein Sonderzug nach Hamburg. Aus Hamburg selbst, so befürchtet Joachim Nickel, „kommt vermutlich viel mehr Desinteresse“.

Fechten ist keine populäre Sportart und wird’s auch nie werden. Dafür sind die Bewegungsabläufe auf den Fechtbahnen für das „große“ Publikum zu kompliziert, zu undurchsichtig – selbst wenn die Lampen nach einem Treffer aufleuchten. Aber der Fechtsport hat es in seiner Selbstdarstellung nicht nur wegen seiner komplizierten Bewegungsabläufe schwer; schwerer wiegt das Mißverständnis, das dieser Sportart durch die Anteilnahme jener anhaftet, die für ihre Kinder einen „schicken“ Sport auszusuchen belieben – und dann etwa auf das Florett kommen.

Joachim Nickel: „Es sind immer wieder die jungen Muttis, die bei mir in Blankenese anrufen und ihre Sprößlinge anmelden. Und wenn ich dann sage, Training ist in der Turnhalle Schenefeld, dann hört man am anderen Ende schon das Klicken. Sie melden sich nie wieder, weil das Wort ‚Turnhalle‘ störend wirkt. Sie meinen, Fechten sei nur etwas für reiche Leute und müsse tunlichst auf einem Sammetboden mit Bar im Hintergrund stattfinden.“

Fechten ist natürlich ein echter – und in der Leistungsspitze sogar außerordentlich harter – Sport, der überhaupt nichts mit dem Snob-Appeal jener überhaupt zu tun hat, die sich und ihre Kinder zu „dressen“ versuchen, bevor sie nach den physiologischen Konditionen einer Sportart fragen.

Für die Fecht-WM in Hamburg haben sich 35 Nationen mit insgesamt 650 Aktiven angesagt. Noch nie bei einer Fecht-WM gab es ein größeres Teilnehmerfeld. Es wird in „vier Waffen“ gefochten: Herrenflorett, Damenflorett, Säbel und Degen. Und der Veranstalter wird „fern von jeder Art von Snobismus“ (Nickel) in Hamburg versuchen, den Zuschauern die Kunst des Fechtens als Kunst des Sports näherzubringen.