Von Elizabeth Drew

Wenn ein amerikanischer Präsident Außenpolitik macht, sind nur eine Handvoll Leute unmittelbar daran beteiligt: der Außenminister, der Verteidigungsminister und der Sicherheitsberater des Präsidenten. Unter Jimmy Carter kommen noch Vizepräsident Mondale hinzu, ein paar vertraute innenpolitische Berater und gelegentlich ein weiteres Kabinettsmitglied wie der Finanzminister. Im Mittelpunkt des Systems aber steht der Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski. Er ist der Mann, der mehr Zeit beim Präsidenten verbringt als all die anderen, und er ist derjenige, der dem Präsidenten am häufigsten politische Alternativen vorträgt und den anderen die Direktiven des Präsidenten interpretiert.

In Washington ist es heutzutage nicht einfach, Außenpolitik zu formulieren. Der Vietnamkrieg hat die überkommenen Vorstellungen von Macht und Einfluß der Vereinigten Staaten zunichte gemacht. Die Frage, welche Lehren im einzelnen aus Vietnam zu ziehen sind, wird durchaus unterschiedlich beantwortet. Daneben ist das Verhältnis zur Sowjetunion ein Thema, über das in Carters innerstem Kreis durchaus gestritten wird. Hinzu kommen ganz neue Kräfte, mit denen Amerika fertigwerden muß – neue, selbstbewußte Bewegungen und Völker und neue Formen auch der Weltgeltung – besonders jener Länder, die über knappe Rohstoffe verfügen. Der alte „bipolare“ Konflikt und die neue „multipolare“ Welt fügen sich zu einem vielschichtigen, und nicht selten verwirrenden Bild.

Zbigniew Brzezinskis Wesen und Stil bergen manche Widersprüche. Er kann charmant sein, liebenswürdig, fröhlich und lebhaft, und er hat eine ausgeprägte humoristische Ader. Bei aller Intellektualität hat er sich einen Schuß Kindlichkeit bewahrt, die gewinnend wirken kann. Aber er kann auch kalt sein, arrogant, gefühllos und herrisch im Umgang mit anderen; er ist kampflustig; er debattiert lieber, als daß er diskutiert; er genießt es, Leute abzukanzeln und seine Späße – manchmal bösartige Späße – auf Kosten anderer zu machen. Man hat ihn geduldig, beherrscht und freundlich erlebt, aber auch ungeduldig, wetterwendisch und manchmal sogar ein wenig schäbig. Er gilt als ein Mann, der Gleichmut zu demonstrieren vermag oder aber als einer, der sich leicht erregt, einer, dem Sturheit ebenso eigen ist wie Biegsamkeit.

Sein straffer, gedrungener Körper und seine kantigen Gesichtszüge geben ihm einen Anstrich von Energie und Wachsamkeit: hohe Wangenknochen, scharf geschnittene Nase, engstehende Augen, gewölbte Brauen und rotblonde Haare, die im Stil der fünfziger Jahre in einer großen Welle nach oben stieben, an den Seiten kurz geschnitten sind und hinten steil zu Berge stehen.

Brzezinski wurde in Polen als Sproß einer Aristokratenfamilie geboren, die 1938, als er zehn Jahre alt war, nach Kanada zog, wo sein Vater als Diplomat auf Posten war; als nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen die Kommunisten an die Macht gelangten, blieb die Familie dort. Seine Frau Emilie – Muschka genannt – ist eine Großnichte von Eduard Benesch, dem letzten Präsidenten der freien Tschechoslowakei. Muschka Brzezinski ist eine attraktive Frau und wie ihr Mann eine starke, temperamentvolle Persönlichkeit. Die Brzezinskis sind praktizierende Katholiken und haben drei Kinder.

Von seinen Mitarbeitern wird Brzezinski oft als „Aristokrat“ charakterisiert. Sie denken dabei nicht nur an seine Herkunft, sondern ebenso an die Art seines Umgangs mit den Kollegen. Im Büro geht es sachlich und distanziert zu. Aus der Arbeit entwickeln sich keine engeren menschlichen Beziehungen. In der Tat war er immer schon ein Einzelgänger. Von der McGill University in Kanada ging er nach Harvard, wo er sein Studium abschloß und eine Weile als Dozent tätig war; als er keinen Lehrstuhl erhielt, zog er weiter an die Columbia University nach New York und gründete dort sein eigenes Institut, das Research Institute on Communist Affairs. Auch hier bewahrte er sich eine Art Sonderrolle. Er pflegte Kontakte zu Leuten, die ihm für seine Karriere nützlich sein konnten.