Hörenswert

Sergej Rachmaninow: „Paganini-Rhapsodie“ / Ernst von Dohnányi: „Kinderlied-Variationen“. Stücke, die für manch einen allenfalls zum virtuosen Tingeltangel zählen, für einige gar schlicht unter musikalischem Kitsch rangieren. Wichtiger ist die Begegnung mit Cristina Ortiz, einer jungen und brillanten Pianistin aus Brasilien, die ihre Soli mit Rasanz und doch ohne aufdringliche Bravour, ja dezent und mit Geschmack spielt, und mit Kazuhiro Koizumi, der 1973 beim Karajan-Wettbewerb gewann, inzwischen in Tokio zu Rang und Würden kam und die Präzision noch keinesweges verlernt hat. Wenn eines die Platte hervorruft, dann dies: den Wunsch, beide Künstler mit wichtigerem Repertoire zu hören. (New Philharmonia Orchestra London; Electrola 1 C 063–02 724) Heinz Josef Herbert

Prätentiös

Bruce Springsteen: „Darkness Ob The Egde Of Town“. Ein Kritiker bemerkte einmal, Jerry Lewis’ Filme seien von dem Moment an nicht mehr komisch gewesen, als er über sich selber ausführliche Exegesen in der französischen Zeitschrift „Positif“ gelesen habe. In ähnlichem Sinne wirkt das vierte Album von Bruce Springsteen auf mich wie der Versuch, die alten Themen und erzählerischen Motive (die Einsamkeit und Ruhelosigkeit des Langstrecken-Rock & Rollers, um’s ironisch zu formulieren) noch einmal „bewußt“ zu rekapitulieren. Diese mit vielen abgenutzten Metaphern überfrachtete Verlierer-Philosophie seiner Songs ist nicht mehr als eine Neuauflage des Beat-Gefühls für die siebziger Jahre, expressionistisch in der Bildersprache („There’s a dark cloud rising from the desert floorll packed my bags and I’m heading straight into the storm“) und fürchterlich melodramatisch und überdeutlich in Arrangements und Interpretation. Eine Apokalypse um den Preis der künstlerischen Glaubwürdigkeit. (CBS 86 061)

Franz Schüler