Endlich waren die beiden Staatsmänner allein. Aber bevor sie ihr Photographen-Grinsen gefrieren und die Masken fallen ließen, erkundigte sich der Kanzler noch bei Carter, wie ihm der Flug gefallen habe. Carter hatte der Flug nicht besonders gefallen, der Atlantik sei leider ziemlich langweilig, immer nur Wellen, Wellen, Wellen, und dazu hätte man noch den Film mit dem anzüglichen Titel „Der letzte Walzer“ von Scorsese gezeigt, der habe ihm auch nicht gefallen, den könne Schmidt sich schenken.

Für diesen Tip war der Kanzler sehr dankbar und fragte dann Carter, um endlich zur Sache zu kommen, ob er ihm ein schönes Geschenk mitgebracht habe, etwa ein paar wirksame Energiesparmaßnahmen. Das Geschenk habe ihm sein Kongreß vermasselt, gestand Carter verlegen, um aber nicht mit leeren Händen nach Bonn zu kommen, habe er ihm die Platte der Bee Gees aus dem Film „Saturday Night Fever“ mitgebracht, und der Kanzler tat höflicherweise so, als läge diese Platte nicht schon seit Wochen auf seinem Plattenteller.

Höflicherweise meinte nun Carter, obwohl er von Bonn noch nichts gesehen habe, fühle er sich hier jedenfalls besser als im stickigen Washington, darauf erwiderte der Kanzler, ihm gefalle es in Hamburg besser als im stickigen Bonn, und er hoffe, Carter einmal in seinem Reihenhaus als Gast zu begrüßen; auch Breschnjew habe es bei ihm gut gefallen. Davon habe er gehört, sagte Carter, privat sei das ja ein ganz umgänglicher Mann, wenn er es doch bloß etwas genauer mit den Menschenrechten nehmen würde, und dann lud er den Kanzler ein, ihn im Weißen Haus zu besuchen, möglichst vor den nächsten Kongreßwahlen.

Das versprach ihm der Kanzler und wollte Carter nun ein kleines Kolleg über Weltwirtschaftsfragen halten, als plötzlich, wie bestellt, Carters kleine Tochter Amy in das Treffen der Großen Zwei platzte. Mit den Tränen kämpfend erklärte sie, es sei in Bonn so schrecklich langweilig, wie lange dieser saublöde Gipfel denn noch dauere. Darauf zeigte sich der Kanzler von seiner charmantesten Seite, die er sonst nur im Ausland präsentiert, und gab Amy ein Bussi auf die Stirn.

Nach dieser netten Einlage wandten sich die beiden Staatsmänner wieder ernsten Dingen zu, und Carter sagte schelmisch lächelnd, er habe Schmidt aber doch etwas mitgebracht, und überreichte ihm eine nagelneue Statistik, aus der hervorging, daß an der Dollarschwäche weniger die Ölimporte als die Importe aus Europa und Japan schuld seien. Dabei sah er den Kanzler vielsagend und herausfordernd an. Schmidt hielt diesem Blick aber stand und meinte, er kenne diese Statistik schon aus der New York Times mit Statistiken könne man alles beweisen. Mit seiner eigenen auch.

Darauf steckte Carter das Papier gekränkt wieder ein und packte nun den Stier bei den Hörnern, indem er nach Schmidts Steuersenkungsplänen fragte. Dazu konnte ihm der Kanzler beruhigend versichern, kein Land habe so viele Steuersenkungspläne wie die Bundesrepublik, und er sei sogar grundsätzlich bereit, von den Deutschen das Opfer zu verlangen, weniger Steuern zu bezahlen – wenn Großbritannien, Frankreich und Japan auch ein Scherflein zur Lösung der Krise beitrügen. Dem stimmte der Präsident erleichtert zu, und die beiden wurden sich schnell darüber einig, daß auf dem bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel erst mal die anderen ein paar Zugeständnisse machen müßten.

In sehr gehobener Stimmung ließen sie dann ihre Pressesprecher hereinkommen, und sie wissen, daß es sich um ein „fruchtbares, konstruktives“ Gespräch in freundschaftlichem Geht gehandelt habe und man sich in allen wesentlichen Punkten einig sei. Und so erfuhr das dann die ganze Welt.