Von Rudolf Walter Leonhardt

Bonn, im Juli

Bonn ist gerüstet für den Besuch des amerikanischen Präsidenten, dem zwei Tage später die sieben ausländischen Delegationen für den „Wirtschaftsgipfel“ folgen werden.

Das sagt man so: „gerüstet“. Hier will es ganz wörtlich verstanden werden. Zwar ist an Einzelheiten wenig zu erfahren. Aber dessen darf man gewiß sein: Die Bundeshauptstadt erlebt ihren bisher größten Einsatz von Sicherheitskräften: der Polizei, des Bundesgrenzschutzes, des Bundeskriminalamtes sowie privater Sicherheitsdienste (von den Bonnern „Polit-Rocker“ genannt). Dazu bringen die Delegationen noch ihre eigenen; body gards mit, von denen die amerikanischen wegen ihrer eher zweckdienlichen als menschenfreundlichen Umgangsformen besonders gefürchtet sind. Sie alle zu koordinieren: darin dürfte die eigentliche Schwierigkeit liegen.

Es gibt zwei Strategien der Abwehr. Während die einen sich möglichst stark machen und wenig darüber reden, stellen die anderen Schilder auf wie „Bissiger Hund“ oder „Radarkontrolle“, die den Hund oder das teure Gerät dann überflüssig machen.

Auch die zweite Schule muß in Bonn vertreten sein. Anders sind die zwei Dutzend Schützenpanzer nicht zu erklären, die durch das Bonner Regierungsviertel auf weichen Gummirädern rollen. Sie wirken einschüchternd. Ihr Kampfwert jedoch dürfte gering sein, vor allem gegen den Feind, auf den die ganze Abwehr doch zugeschnitten ist: gegen Terroristen.

Ernstfälle durchgespielt