Herbert Gruhl, Bundestagsabgeordneter der CDU, hat den Austritt aus seiner Partei erklärt. Der engagierte Umwelt- und Naturschützer zog die Konsequenz aus seinem Vorwurf, daß die CDU unfähig sei, „die völlig neue Problemstellung der heutigen Welt“ zu erkennen, zu diskutieren, geschweige denn in Wort und Tat sich zu eigen zu machen. Nach vergeblichen Versuchen, innerhalb der Union etwas zu bewirken, war seine Abkehr nur noch eine Frage der Zeit.

Ein enttäuschter Einzelkämpfer hat das Handtuch geworfen. Schadenfroher Spott wäre freilich ebenso fehl am Platze wie achselzuckende Spekulation darüber, ob Gruhl nun an die Spitze einer bundesweiten Umwelt-Liste tritt, die sich mit Hermann Fredersdorfs Steuerrebellen zu einer Protestpartei vereinigt, deren Wahlchancen – alles in allem – nicht sehr rosig sind. Das Problem steckt tiefer.

Die Landtagswahlen in Hamburg und Niedersachsen, die Formierung bunter und grüner Listen beweisen doch, daß viele, vor allem junge Wähler, ihre Interessen bei den etablierten Parteien schlecht aufgehoben sehen. Dabei bedeutet „Umwelt“ nur eine Chiffre für das Unbehagen an der kritiklosen Verlängerung alter Ideen in die Zukunft. Hier haben alle Parteien ein Diskussions- und Besinnungsdefizit aufzuarbeiten. Und zwar schnell – ehe andere, weniger prominent als Gruhl, den ehrenwerten, aber falschen Schritt in das politische Abseits nachvollziehen.

H. B.