Helmut Schmidt ist ein studierter Nationalökonom. Und wer ihn über die Jahre vor und nach seiner Berufung zum Kanzler häufiger sah, mußte bewundern: Was ihm fehlte, hatte er über die Jahre gelernt. Und seine Standfestigkeit (etwa gegenüber Versuchungen, Keynes Theorie auf von Keynes nicht gedachte Lagen anzuwenden) beweist: er versteht von Wirtschaft und Gesellschaft mehr, als mancher seiner Vorgänger. Wie also konnte ihm das Malheur mit dem neuen Währungsfonds passieren?

Die erste Annahme: Emminger hat es ihm geraten – schließlich muß er ja den Notenbankpräsidenten gefragt haben, bevor er über dessen Kasse verfügt. Aber die Bank erklärt, sie wisse von nichts. Nun ist Schmidt mit Emmingers Vorgänger Karl Klasen befreundet. Sollte er...? Antwort siehe oben. Graf Lambsdorff? Nein; denn der ist nun wirklich Fachmann. Aber um Gottes willen wer? "Der Kanzler, hat abgehoben", sagt man in Bonn. Von seinen Erfolgen beseeligt (die freilich die Erfolge der Bundesrepublik sind) glaubt er: es genüge schon sein Wille, und Pläne würden Erfolge. Das gibt es: Erhard glückte das in seinen guten Jahren; Carter schon weniger. Dieses Mal liegt Schmidt so außerhalb der Realität, daß die kühnste Phantasie sie nicht umstülpen kann.

Wir haben uns in den fremden Hauptstädten umgehört. Bern: "Die Schweiz will mit der Sache nichts zu tun haben." Rom: "Man hält den Atem an, damit das Wunder aus dem Norden nicht vertrieben wird; ein 50-Milliarden-Dollar-Fonds könnte selbst Italien retten." Amsterdam (entschieden): "Wir lassen doch niemand in unsere Kasse greifen." Kopenhagen: "Wird nichts, stirbt an den Details." London: Callaghan wird nach den Wahlen sofort zustimmen, besseres konnte ihm gar nicht passieren. Aber schon Wilhelm Busch wußte: "Von Erfolg ist nur der rasche / Zugriff in die fremde Tasche."

Wie kommt man bloß wieder herunter, auf festen Boden? Gerd Bucerius