„Wucher“, „Beutelschneiderei“ und ähnlich harsche Worte müssen sich deutsche Hoteliers recht häufig anhören, wenn sie ihren Gästen die Telephonrechnung präsentieren. Ausländer, besonders Amerikaner, sind geschockt ob der immensen Fernsprechkosten in hiesigen Herbergen. Aber auch inländische Gäste wittern oft Bereicherungsversuche des Wirtes, wenn sie „horrende“ Beträge zahlen sollen für jene Einheiten, die sie am heimischen Telephon nur 23 Pfennig kosten. Vier Groschen sind ein selbst in billigen Pensionen selten gewordener Satz, preiswerte Hotels verlangen 50 Pfennig, die „besseren Häuser“ heischen 55 oder 60, einige Luxushotels Schrauben den Satz derzeit sogar auf 65 Pfennig.

Angesichts dessen kann sich die Hilton-International-Gruppe des öffentlichen Wohlwollens gewiß sein, wenn sie nun ankündigt, bei ihr werde das Telephonieren billiger. Die Kette hat sich einemamerikanischen System angeschlossen, das für die deutschen Häuser des Konzerns folgende Regelung mit sich bringt: Die Einheit kostet jetzt statt 60 nur noch 55 Pfennig, dies aber nur, bis eine Obergrenze von 4 Dollar erreicht ist, etwa nach 35 Einheiten. Jede weitere Einheit berechnet Hilton mit 26 Pfennig, das entspricht der Postgebühr plus Mehrwertsteuer.

Hintergrund dieser weltweiten Regelung ist die Werbung der (privaten) Telephongesellschaften in den USA für Überseegespräche. Diese sind – auf der Basis der niedrigen amerikanischen Gebühren – in der Tat preiswert. Da Hilton sehr viele amerikanische Kunden hat, wollte es ihnen insbesondere im extrem teuren Telephonland Germany entgegenkommen. Hilton nimmt dafür rote Zahlen in Kauf: „Ein Verzicht, der in den einzelnen Hotels deutlich zu Buche schlägt.“

Die Gruppe bleibt mit dieser Entscheidung mutmaßlich allein. Die Intercontinental-Hotels, die hier nur einen Fünf-Prozent-Anteil an Amerikanern haben, bleiben bei 0,60 Mark je Einheit; eine Ausnahme ist allein das Frankfurter Haus, das überdurchschnittlich viele Amerikaner beherbergt. Dieses größte Hotel Deutschlands fordert 0,55 Mark.

Die größte deutsche Kette, Steigenberger, fordert in Häusern mit Handvermittlung 50 Pfennig, sonst 5 Pfennig mehr. Bei mehr als 100 Einheiten verringert sich der Preis um 20 Pfennig.

Auch andere Hotels bemühen sich, Vieltelephonierern die Kosten zu mindern. So berechnet das Frankfurter Parkhotel (Einheit 0,60 Mark) für Überseegespräche 30 Prozent Rabatt. In Maritim-Hotels wird den Gästen auch geraten, sich rückrufen zu lassen; eine Lösung, auf die mittlerweile viele Geschäftsleute gekommen sind. Sie haben meist nicht die Zeit, zum viel billigeren Telephonhäuschen zu gehen, wie Touristen es in den Ferienhotels oft tun.

Kempinskis Hamburger Atlantic Hotel (Einheit 0,60 Mark) bietet seinen Gästen die Möglichkeit, alle Auslandsgespräche, die noch per Hand zu vermitteln sind, nicht im Selbstwähldienst, sondern über die Frankfurter Vermittlungsstelle laufen zu lassen. Dafür wird die Postgebühr mit 50 Prozent Aufschlag und 12 Prozent Mehrwertsteuer berechnet. Nach Auskunft des Hotels ist das Verfahren preiswerter.