Sehenswert

„Dance, Girl, Dance“ von Dorothy Arzner, die vom Drehbuchtippen über die Montage („Blood and Sand“ mit Rudolph Valentino, 1922; „The Covered Wagon“ von James Cruze, 1923) zur Regie kam: die einzige Regisseurin, die sich im Hollywood-System von den zwanziger bis zu den vierziger Jahren erfolgreich behaupten konnte. Siebzehn Filme drehte sie zwischen 1927 und 1943; Dieses ist ihr vorletzter, 1940 vom emigrierten UFA-Chef Erich Pommer für die RKO produziert: eine musikalische Komödie nach einer Story von Vicki Baum. Es geht um zwei Tingeltangel-Tänzerinnen gegensätzlichen Typs: Maureen O’Hara, die unschuldige Naive, die von einer Ballettkarriere träumt Und Lucille Ball, der archetypische Vamp, der „golddigger“, der den Sex bewußt einsetzt, um zu Erfolg, Geld und „zum Mann“ zu kommen. Verschleiert hinter den Genreverbrämungen einer verwickelten Handlung ist „Dance, Girl, Dance“ ein intelligentes Spiel mit Stereotypen und Umkehrungen, ein ironischer Diskurs über das Rollenverhalten der „Frau“. Ballett und Burleskshow erscheinen dabei als die beiden Seiten derselben (patriarchalischen) Ideologie: die Frau als Objekt für Voyeure. Ein früher „Frauenfilm“, ausgegraben für das „Internationale Forum des Jungen Films“ in Berlin 1977 und derzeit (in untertitelter Originalfassung) zu sehen in den Programmkinos.

Helmut W. Banz

Beachtlich

„Zwei ausgebuffte Profis“ von Michael Ritchie, dessen Filme – ob sie nun mit Sport („Schußfahrt“, „Die Bären sind los“), Politik („Bill McKay – der Kandidat“) oder Schönheitswettbewerben („Lauter nette Mädchen“) zu tun haben – stets vom Konkurrenzkampf handeln: „All-American Competition“ ist das Hauptmotiv dieses unterschätzten Regisseurs. Hier geht es (auch) um das Endspiel zweier Football-Mannschaften, aber anders als im Bestseller „Semi Tongh“ (so auch der Originaltitel) von Dan Jenkins ist nicht Footballfieber das Ziel von Ritchies satirischen Attacken. Vielmehr sind es die vielfältigen Wege zur Selbstverwirklichung, die Suche nach dem verlorenen „Es“ – zu finden durch „entspannendes Kriechen auf dem Boden“, Gruppentherapie oder „Pyramiden-Kräfte“. Der deutsche Verleih-Titel und die Werbezeile („Helden zwischen Ball und Bett“) verheißen ein weiteres Beispiel von Hollywoods misogynen „Kumpelfilmen“. Doch „Semi Tough“ ist ein Film über die Freundschaft eines unkonventionellen Trios: Burt Reynolds, Kris Kristofferson und Jill Clayburgh. Ritchie inszenierte eine anekdotische Burleske in der längst verloren geglaubten Tradition der „scewball-comedies“ der dreißiger Jahre, eine moderne Version von Ernst Lubitschs „Design for Living/Serenade zu dritt“ (1933). Burt Reynolds, oft verkannt als „Charlie Charme“, liefert eine hinreißende, ironisch-subtile Country-Variante von Gary Grant. Und Jill Clayburgh ist eine verletzliche Lady mit rüdem Mundwerk: die beste seit Jean Arthur und Carole Lombard.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Münchhausen“ von Josef von Baky. „Der kleine Godard“ von Hellmuth Costard. „Der Untergang des Hauses Usher“ von Roger Corman. „Eine entheiratete Frau“ von Paul Mazursky. „Die Invasion der Körperfresser“ von Don Siegel.