Franz Jochen Schoeller – der strapazierte Zeremonienmeister der Republik

Von Carl-Christian Kaiser

Bonn, im Juli

Wer glaubt, hektisches Durcheinander und ein Nervenbündel vorzufinden, irrt sich gewaltig. Franz Jochen Schoeller, Protokollchef des Auswärtigen Amtes und damit Zeremonienmeister der Republik, sitzt am Vorabend seiner größten Bewährungsprobe so ruhig am Schreibtisch, als habe er allenfalls noch eine Golfpartie vor sich. Kein Telephon schrillt, kein Referent stürzt herein, keine Sekretärin erinnert an dringende Termine.

Das – friedliche Ambiente täuscht natürlich. Franz Jochen Schoeller sitzt nur im stillen Auge eines Sturms. Denn rings um ihn und unter seiner Oberleitung läuft ein Countdown ab, an dessen Ende eine protokollarische Dreistufenrakete gezündet werden muß: erst der Staatsbesuch Jimmy Carters, dann der Weltwirtschaftsgipfel und darauf noch ein Tag, an dem der kanadische Premier Trudeau zu Gast bleibt. Seit Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus der halben Welt vor elf Jahren Konrad Adenauer das letzte Geleit gaben, hat sich in Bonn nicht mehr so viel politische Prominenz versammelt wie in diesen Tagen.

Schoeller bringt das nicht ins Wanken. Seit er, nach diplomatischer Verwendung in Paris, Rom, Sansibar, Daressalam, Madrid und Teheran, 1973 ins Protokollreferat kam und zwei Jahre später dessen Leitung übernahm, hat er die hohe und harte Schule des Umgangs mit sehr bedeutenden Personen in immer neuen und schwierigeren Variationen meistern müssen. Gleich zum Einstand hatte er sich um den Staatsgast Leonid Breschnjew zu kümmern; jüngst im Mai war es wiederum der sowjetische Großgenosse, der dem Protokoll alles abverlangte.

Kalkulierter Ärger